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Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
Entstehung
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368
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368 Carcinoma uteri.

Um den Fortschritt des Carcinoms genau festzustellen, wurde von dem Assistentendie Grenze zwischen gesundem und carcinomatösem Gewebe durch einen durch-gezogenen Faden kenntlich gemacht. Da die Neubildung diese Grenze innerhalbvon 14 Tagen um einige Centimeter überschritt und da sich der Uterus wegenallseitiger Zug'änglichkeit zur Totalexstirpation noch eignete* so beschloss ich,keine Zeit mehr zu verlieren und die totale Exstirpation des schwangeren Uterusauszuführen. Bei der Operation wurde zunächst das Collum uteri von der Vaginaaus umschnitten, stumpf abgelöst und der Douglas'sche Raum eröffnet. Nach-dem die Blutung gestillt war, machte ich die Laparotomie und entfernte nachAusschneiden des Uterus den Gebärmutterkörper mit anhaftender Placenta ganznach der Methode, welche ich l ) für die Myomeetomie beschrieben habe. DieLigaturen der Ligamenta lata wurden kurz geschnitten, die Fäden des Uterus-stumpfes durch die von der Bauchhöhle aus eröffnete Plica vesico-uterina nach derScheide geleitet. Darauf wurde die Bauchhöhle wieder geschlossen und die Ent-fernung des Collum uteri von der Vagina aus zu Ende geführt wie eine typischevaginale Uterusexstirpation. Das Kind war nicht lebensfähig.

Die Combination von Porro- und Freund'scher Operation ist in derSchwangerschaft mit glücklichem Erfolg von Spencer Wells, 2 ) während der Ge-burt von Bischoff 3 ) und von Schröder zweimal, 4 ) in den letzten drei Fällenmit tödtlichem Ausgang unternommen worden.

Bei lebensfähigem Kind muss selbstverständlich mit dem Kaiser-schnitt begonnen und dann erst die Exstirpation angeschlossen werden.

Bei der Geburt ist das räumliche Hinderniss von geringerer Be-deutung als die vollständige Unnachgiebigkeit des Muttermundes. Wodiese nicht stört, wo noch einzelne Zonen dehnungsfähig sind, kannein guter Verlauf sogar spontan stattfinden. Es hatte besonders P. Du-bois darauf aufmerksam gemacht, wie oft mit einem Schnitt durchdie stark degenerirte Cervicalwand eine unmöglich erschienene Geburtziemlich glatt ablief. Das Hinderniss von Seiten des Tumors kann auchvom Kopf verdrängt werden, indem das Gewebe während der langenGeburtszeit morsch wird.

Schröder empfiehlt die Entfernung des gesammten kranken Ge-webes mit scharfen Löffeln zu jeder Zeit der Schwangerschaft. Schrö-ders Fälle zeigen, dass die Schwangeren die Operation meistens er-tragen, ohne dass Abortus darauf folgt. Dies gilt jedoch nur für Er-krankungen, die nicht bis zum inneren Muttermund vorgeschritten sind.Dort erfolgt die Unterbrechung in der Regel.

Ganz andere Rücksichten kommen in Betracht am Ende derSchwangerschaft und bei weit ausgedehntem, zur Totalexstirpation nichtmehr geeignetem Carcinom.

Spontangeburten und Zangenoperationen geben die beste Lösung,sind aber bei den schlechtesten Fällen nicht mehr möglich.

Wo selbst nach der Ausräumung alles Krebsgewebes das ausge-tragene Kind nicht durchgehen kann, da ist der Kaiserschnitt zweifellosgerechtfertigt. Es ist hier, wo der Erfolg für die Mutter selten mehrals einige Tage im Wochenbett ausmacht, entschieden bei lebendem

a ) Zweifel, Stielbehandlung bei der Myomeetomie. Stuttgart 1888.

2 ) Brit. med. Journ. 1881. Oct. 29. ref. C. f. G. 1882. p. 237.

3 ) Gönner, Z. f. G. u. G. Bd. I. p. 7. Siehe Literaturangaben.

4 ) Z. f. G. u. G. Bd. V. p. 159 u. C. f. G. 1886. p. 10.