»Die Cervicalmyome in der Schwangerschaft. 367
darf nicht gedacht werden, solche Frauen ihrem Schicksal zu über-lassen. Dies ist schon geschehen und das Ergebniss war — Tod.Unter 8 Fällen, bei denen die Geburt unvollendet blieb, starben 5 anUterusruptur und 3 an Erschöpfung (Toloczinow).
Es muss also bei solchen der Kaiserschnitt ausgeführtwerden, wobei aber die Verlegenheit gross ist zu sagen, welcheMethode die beste sei. Wird der Uterusschnitt von vorn her einenicht wesentlich veränderte Uteruswand treffen, so würde ich nacheigenen Erlebnissen nur die Naht zu machen empfehlen. Muss manaber die Fruchthöhle suchen, dicke Geschwülste durchschneiden, sokann man sich auf die Naht nicht mehr beschränken, man muss dieMyomohysterectomie anschliessen.
Es existiren 6 Hysterectomie-Fälle der letzteren Art von Storer '), Agnew,Tarnier und Zweifel 2 ), Hofmeier, Schröder 3 ), in denen 4 Operirte gestorben,die Patientinnen von Hofmeier und Schröder genesen sind. In dem eigenen Fallwurde der fast Suppentellergrosse Uterusstumpf durch Etagennähte geschlossen. DerVerlauf war 2mal 24 Stunden fieberfrei, dann unter rapider Sepsis tödtlich endend.
b) Das Carcinom des Uterus.
Die ersten Anfänge dieser Krankheit hindern die Conception nicht,die Empfängniss befördert aber das Wachsthum der Neubildung. DerEintritt der Schwangerschaft ist ein sicheres Zeichen für das Nicht-ergriffensein der Schleimhaut des Corpus uteri, so dass es sich in allenFällen dieser Complication um Cancroide des Cervicalkanales handelt.
Die Schwangerschaft wird durch die sich selbst überlassene Krank-heit in der Regel nicht unterbrochen. Nur etwa in dem vierten Theilder Fälle trat der spontane Abortus ein Die Degeneration der Neu-bildung kann natürlich den gewöhnlichen Lauf nehmen, es können Ul-cerationen auftreten und aus diesen heftige Blutungen entstehen.
Befindet sich die Kranke noch in den früheren Monaten derSchwangerschaft, so kommt es ganz auf die Ausdehnung des Carcinom esan, welches Verfahren der Arzt einzuschlagen hat.
Ist das Carcinom beschränkt, der vollkommenen Ausschneidungnoch zugänglich, so muss alles darauf eingerichtet werden, die Radikal-hülfe noch zu ermöglichen. Ist die Ausdehnung des Krebses nicht sehrgross und noch so viel Zeit zu riskiren, so kann man den Abortuseinleiten und danach so bald als möglich die Totalexstirpationdes zurückgebildeten Uterus vornehmen. Besser ist es schon, keine Zeitzu verlieren, also die Totalexstirpation des schwangeren Uterusgleich auszuführen.
Wir haben selbst unter Umständen, wie die zuletzt erwähnten, die Total-exstirpation eines im 6. Monat schwangeren Uterus mit gutem Erfolgausgeführt. Die Frau war während der Herbstferien in die hiesige Klinik eingetreten.
') Vergl. Sänger, Kaiserschnitt bei Uterusfibromen. Leipzig 1882. p. 27.
2 ) A. f. G. Bd. XVII. p. 371.
3 ) Lehrbuch, 10. Aufl. p. 514.