362 Verklebung und narbige Verwachsung des Muttermundes.
Die Prognose kann durch diese Abnormität sehr ernst werden:es können Symptome auftreten, die eine Zerreissung befürchten lassen.
Die narbige Verwachsung des Muttermundes (Atresia uteri)macht genau die gleichen Erscheinungen. Beim Eröffnen sind aberzum Unterschied narbige Stränge wahrzunehmen. Zur wirklichen Ver-wachsung führen tiefer gehende ulceröse Processe, z. B. bei Typhus,Verschwärungen der Vaginalportion in einem Wochenbett, starkeAetzungen der Cervix etc. Hier muss unter Einstellung des Mutter-mundes im Simon'schen Speculum mittels scharfen Häkchens und desMessers eine blutige Eröffnung ausgeführt werden.
Wir haben oben den Ausdruck Rigidität gebraucht. Der Nameist rein symptomatisch; er bedeutet Starrheit, Unnachgiebigkeit. DenMuttermund nennt man rigid, wenn er sich trotz kräftiger Wehen, trotzregelrechten Spannens der Blase, auch dann, wenn keine Krampfwehen,keine Contracturen vorhanden sind, nicht eröffnen will. Die Rigidität isthöchst wahrscheinlich immer einer Vernarbung des äusseren Muttermun-des zuzuschreiben, einer bindegewebigen Degeneration der Portio vagi-nalis und des Orificium externum. Sie kommt vor bei älteren Erstgebären-den. Die Aetiologie ist klar, wenn diese Störung gerade bei Kreissendenauftritt, die vor der Gravidität mit Prolapsus uteri behaftet waren. Esist ja bekannt, wie bei solchen Personen durch die fortwährendenReibungen das Os externum und seine Umgebung ulcerirt wird undspäter vernarbt.
Die Diagnose der einzelnen Zustände sollte nach dem Gesagtenkeine Schwierigkeiten machen. Die letzterwähnten Zustände, Verklebung,Verwachsung, machen eine Untersuchung mit Simon'schen Scheiden-spiegeln nothwendig.
Behandlung. Handelt es sich um die letzteren Störungen mitstark verdünntem Uterinsegment, so ist nicht einmal Schneiden noth-wendig, sondern schon das Andrängen einer Sonde oder einer Finger-spitze ausreichend. Meist geht die weitere Eröffnung ohne Schwierig-keiten vor sich.
Bei Rigidität oder Strictur des äusseren Muttermundes kann mitleichter Mühe geholfen werden. Einige oberflächliche ca. 1 cm tiefeIncisionen durchtrennen den starren Ring und das übrige Gewebe dehntsich ohne weitere Schwierigkeiten und gestattet der Cervix, sich überden vorliegenden Theil zurückzuziehen. Die Incisionen werden mitgeknöpften Bistouris oder mit langen Cooper'schen Scheeren gemacht.Dass man zu tief schneide, hat man nicht zu befürchten.
Eine viel schlimmere Bedeutung hat eine Rigidität, welche sichüber den ganzen Cervicalkanal erstreckt. Es sind dies die Reste vonausgedehnten Zerstörungen und Vernarbungen.
Die Folgen sind sehr schlimm. Die Geburt wird viel schwieriger.Die einfachen üilatationsverfahren führen nicht zum Ziel; die Incisionenmüssen durch die ganze Länge des Cervicalkanales gehen.
Gefährlich werden solche Störungen durch die enorme Verzöge-rung der Geburt. Bei der langen Dauer kommt leichter eine Infection