Die Stricturen der Vagina. 363
hinzu. Doch muss, wenn irgend möglich, per vias naturales entbundenund die Sectio caesarea vermieden werden.
Anhangsweise erwähnen wir die Stricturen der Vagina. Inder Vagina sind es theils angeborene, theils erworbene Verengerungen.Selten machen dieselben ein ernstes Geburtshinderniss. Vor den kräf-tigen Wehen, die den Kopf mit Ungestüm antreiben, geben sie nachoder zerreissen. Die Risse gehen in der Regel nicht tief, d. h. nichtbis in das Bindegewebe. Bei der starken Spannung entstehen durchdie Wehen zwar wenige, dafür aber um so tiefere Risse, so dass esfür die Kreissende schonender ist, einige Incisionen zu machen.
Die therapeutischen Massregeln hängen von dem Grad der Ver-engerung und der Ausdehnungsfähigkeit ab. Es sind Fälle beschriebenworden, wo die ganze Scheide durch Narben so verengt war, dass nichtmehr als ein Finger durchgehen konnte, und trotzdem der Kopf dasHinderniss überwand und von selbst geboren wurde.
Beim engen Becken ist natürlich eine solche narbig verengteVagina besonders schlimm, weil sie jede Operation erschwert, ja un-möglich macht.
Schröder 1 ) erwähnt eine angeborene ringförmige Strictur derScheide, die kurz war und oben blindsackartig mit einer kleinen Oeffhung endete,durch die ein'Finger nicht dringen konnte. Er citirt noch drei ähnliche Fälle.
In einzelnen Fällen von solchen Stricturen der Scheide ist schon der Kaiser-schnitt nothwendig geworden und eher zu empfehlen als ausgedehnte Zerreissungendes Scheidenkanales. Es kommt auf die Erweiterungsfähigkeit an. Recht wenigklinische Bedeutung hat der nicht perforirte Hymen, denn er macht niemalsein wirkliches Geburtshinderniss. Die Fälle werden immer wieder um der Curiositätwillen publicirt, trotzdem bei der grossen Zahl dieses Vorkommnisses das Interessenicht mehr gross sein kann. Vaginismus als Geburtshinderniss sah Benicke.Kessler: Berlin, klin. Wochenschr. 1887. Nr. 29 beobachtete einen vollkommenenVerschluss der Scheide.
Inhaltsübersicht.
Die hauptsächlichen Störungen bei der Eröffnung des Muttermundesgibt die Einlagerung von Narbengewebe, gewöhnlich „Rigidität" genannt,und ein Krampf des äusseren Muttermundes, die sog. Contractur. Da-neben kommen noch Verklebungen und Verwachsungen vor. Die Con-tractur kann durch Narkotica und warme Vollbäder weichen; die übrigenStörungen erfordern eine Dehnung oder Einschnitte.
Die räumlichen Hindernisse.
a) Durch Geschwülste, ausgehend von den weichen Theilen der Mutter.
Literatur.
Neubildungen am Uterus.Puchelt: De tumoribus in pelvi part. impedient. fata. Diss. Heidelb. 1839.u. Comment. ibid. 1840. Bemerkenswerth um der geschichtl. Notizen willen. —
a ) Lehrbuch 1884. p. 509.