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Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
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361
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Verklebung und narbige Verwachsung des Muttermundes. 361

eine Kreissende muss doch neun Monate voran eine Muttermundsöffnung -gehabt haben.

Durch die starken Wehen wird das Ei in die Cervix hinein-getrieben. Der innere Muttermund öffnet sich, der Cervicalkanal gehtvollständig auf in der Uterushöhle; nur der äussere Muttermund hältden Wehen Stand. Der Cervicalkanal wird durch die extreme Aus-dehnung so verdünnt, dass man glauben kann, die Eihäute vor sichzu haben, die ohne Vorwasser dem Kopf anliegen. Das Einstelleneines Speculums zeigt jedoch die Schleimhautfärbung.

Den Muttermund dachte man sich verklebt, weil bei der Eröffnungnie eine Spur Blut abfloss, was bei einer Verwachsung erwartet wer-den muss.

Auffallend bleibt, dass dieses kleine Hinderniss, welches schondurch das Andrücken des Fingers beseitigt wird, für die Wehen un-überwindlich ist. In einem selbst beobachteten Fall hielten wir diestarke Abweichung des Muttermundes nach hinten gegen dasKreuzbein hin für den Grund, dass die Kraft der Wehen nicht auf dieMuttermundsöffnung wirken könne.

Schröder gibt nach seinen Beobachtungen an, dass der Mutter-mund niemals ganz verschlossen sei, so dass man ihn im Speculumeingestellt an einem kleinen Schleimstrang erkennen könne. Die Ge-burtsstörung komme nur von der Rigidität und der schon vorhandenenEnge her.

Diese Erklärung beseitigt den Begriff des Verklebtseins; was denEindruck einer Verklebung macht, wäre nur eine exquisite Rigiditätdes Muttermundsrandes.

Ein Fall ] ), den wir früher beobachteten, zeigte für das Gefühl keine Oeff-nung. Die Falte, in welcher man den Muttermund suchen musste, liess sich imSpeculum nicht einstellen. In einem zweiten 2 ) war der Verlauf ähnlich. DieOeifhung war für eine feine Sonde von vornherein durchgängig, erweiterte sichaber trotz stürmischer Wehen doch nicht. Wie ich den Finger in die kleine Oeff-nung einzwängte und den Saum einriss, schnellte der Muttermund förmlich aus-einander und zog sich der Cervicalkanal im Verlauf von Secunden über den vor-liegenden Steiss zurück. Dieser Fall bot deswegen ein grösseres Interesse, weildie Veranlassung zurConglutinatio" uns genau bekannt war. Es war nämlichwegen einer Ureteren-Uterusfistel versucht worden, den Muttermund zuzunähen,eine kleine Oeffnung aber zurück geblieben. Das war der Muttermund und dieStarrheit des Gewebes rührte von der schmalen Narbe her, welche durch An-frischung und Naht gebildet worden war. Diese Erfahrung spricht für Schröder'sAnschauung, zeigt aber auch, wie unbedeutend das Hinderniss sein kann, welchesunüberwindliche Schwierigkeiten bereitet. Bei einer anderen Schwangeren be-obachteten wir jüngst eine feine Oeffnung, so fein, dass man mit dem Finger garkeinen Muttermund fühlen [konnte. Beim Einstellen mit Simon'schen Spiegelnsah man einen feinen Schleimfaden aus der Oeffnung hervorragen und erkanntedaran den Muttermund. Es wurden auch hier für die Geburt die Erscheinungender Conglutinatio erwartet; der Muttermund eröffnete sich aber ohne die gering-sten Schwierigkeiten. Vergl. Breisky: Prag. med. Wochenschr. 1878. Nr. 2 undWelponer: Wiener med. Presse 1879. Nr. 17.

1 ) Arch. f. Gynäk. Bd. V. p. 145.

2 ) Ebenda. Bd. XV.^p. 17.