360 Rigidität des Muttermundes. Contractur — Strictur.
hier nur durch Einlegen von Kautschukblasen, wie wir sie zur künst-lichen Frühgeburt empfehlen (siehe dort), nachgeholfen werden, oderes muss der Kopf tiefer rücken und der Cervicalkanal sich über diesenzurückziehen.
Dagegen sind die Fälle zahlreich, in denen der. Muttermundfest, wie ein gespannter Ligaturschlauch um die Fruchtblaseliegt und trotz qualvoller, abmühender Wehenthätigkeit nicht nachgibt.Am meisten sind dieser Störung die älteren Erstgebärenden ausgesetzt,,die in der Regel eine längere Eröffnungsperiode durchmachen müssen.Die unnachgiebigste Stelle pflegt der äussere Muttermund zu sein, dessenRingfaserung im Lauf der Jahre an Elasticität verloren hat. G^nzdieselbe Unnachgiebigkeit des Muttermundes kommt auch bei Frauenvor, die am Muttermund eine Narbe durch Organisation neuen Binde-gewebes erhalten haben, z. B. durch geheilte Geschwüre nach Prolapsusuteri, durch Operationen, Amputation der Portio vaginalis.
Diese Unnachgiebigkeit bezeichnet man rein symptomatisch als-Rigidität des Muttermundes. Ausserdem kommt noch eine krampf-artige starre Zusammenziehung der Ringmuskulatur des Mutter-mundes vor (Contractur). (S. oben S. 357.)
Dann erwähnen wir als dritte Ursache eine zu innige Ver-wachsung der Eihäute mit der Decidua im unteren Uterin-segment. Die ganze Eispitze rückt unter starker Verdünnung derGebärmutter tief in die Scheide. Trotz kräftiger Wehen bleibt derMuttermund eng. Man muss die Blase sprengen. Dieser Eingriff hatkein Bedenken bei tief herabgetriebenem Kopf und man kann sehen,,dass die gespannte und verdünnte Gebärmutter sich nach dem Blasen-sprung sofort über den Kopf zurückzieht, ja oft ganz tiefe Cervical-risse auf beiden Seiten entstehen. Als Beweis für die Auffassung, dassdie Adhärenz der Eihäute Schuld an der Verzögerung sei, führe ichnoch an, dass die Eimembranen zuletzt abreissen und zurückgebliebeneFetzen aus dem unteren Gebärmutterabschnitt herausgeholt werdenmüssen.
Eine ähnliche Bedeutung wie Rigidität, die man in Parallelezur Harnröhrenstrictur besser als „Strictur" bezeichnen könnte, haben
die Verklebung und die narbige Verwachsung des
äusseren Muttermundes.
(Conglutinatio orificii uteri externi und Atresia o. u. e.)
Die Verklebung trennte man deswegen von der Verwachsung Tobschon beide den gleichen Untersuchungsbefund geben, weil bei derersteren das Brechen des Widerstandes, das Einschieben einer Uterus-sonde oder eines Fingers genügt, um das Hinderniss zu beseitigen, undder Muttermund sich nachträglich ohne Schwierigkeiten erweitert.
Die Erscheinung seihst ist auf das genaueste von der Lachapellebeschrieben worden: Trotz stundenlangen Kreissens zeigt sich keineEröffnung des Muttermundes — ja es ist überhaupt keine Oeffnungmit dem Finger wahrzunehmen. Die Untersuchung überrascht: denn