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Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
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356
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356 Mechanische Mittel zur Wehenbeförderung.

Die durch mechanischen Reiz wirkenden Verfahren sind nurin beschränkter Auswahl zu benützen, so lange der Uterus noch nichtentleert ist. Dass die Expression gerade hier, wo man es so dringendwünschte, keinen rechten Erfolg hat, zu einer nutzlosen Quälerei derKreissenden führt, werden wir noch angeben (siehe Expressionsmethodein der Operationslehre) und zugleich die Gründe erörtern, die unsererAuffassung nach die Wirkungslosigkeit erklären.

Gut zu verwenden sind die Einspritzungen per vaginam mitrecht warmem oder kaltem Wasser. Ferner das Einlegen von Bougies.Die Gefahr einer Infection und des Lufteintrittes wird dabei entschiedenübertrieben. Dagegen ist auch nach dem Fruchtwasserabfluss einelocale Ueberreizung möglich, die eine andere Wehenstörung an Stelleder Wehenschwäche setzen kann.

Eher empfiehlt sich das Einlegen von Kautschukblasen, diemit Wasser gefüllt werden. Für die Scheide sind es die Braun'schenColpeurynter. Zur Dehnung und mechanischen Reizung des Mutter-halses eignen sich die nach Tarnier modificirten Blasen aus Gummi-Condoms (siehe hinten Abhandlung über künstliche Frühgeburt). Wirkönnen solche, wo Uterintamponade bei gesprungener Fruchtblase oderErweiterung des Muttermundes u. dergl. nothwendig ist, wärmstensempfehlen.

Das Blasensprengen ist in allen Fällen, wo Wehen-schwäche sich bei stehender Fruchtblase fühlbar macht, dasbeste Mittel. Dass man aber hier wieder einzelne Einschränkungenbeachten müsse und namentlich bei engem Muttermund die Blase nichtsprengen soll, werden wir noch bei dem künstlichen Blasensprung er-wähnen. Nach Besserung der Wehen kommt die Zangenoperation.(Vergl. dort.)

2. Die Krampfwehen.

Es ist das ein Laienausdruck, der um so mehr eine genaue De-finition nothwendig macht, als die Laien mit Krämpfen so vielerlei zubezeichnen pflegen. Den Nebenbegriff vonschmerzhaften Zusammen-ziehungen" haben alle Ausdrücke, die als Krampf bezeichnet werden.Das Wesen der Krampfwehen besteht wiederum in einer patho-logischen Aenderung des Verhältnisses zwischen Contraction und Pause,aber gerade im umgekehrten Sinn als bei der Wehenschwäche. Beiden Krampfwehen werden die Contractionen verlängert, die Pausenverkürzt, so dass der Uterus kaum mehr zur Ruhe kommt. Dabei be-sitzen die Contractionen nicht dieselbe Kraft und den gleichen Erfolgwie die normalen Wehen. Haben wir es bei der Wehenschwächemit einer Ermüdung der Gebärmutter zu thun, so entsprichtdas Bild der Krampfw^hen einem-krankhaft überreiztenMuskel.

Diese Ueberreizung kommt nicht selten durch locale Insulte ander Cervix zu Stande. Der protrahirte Contractionszustand an derCervix führt zu einer spastischen Zusammenziehung des äusseren