352 Die secundäre oder Ermüdungswekenscliwäcke.
die Anstrengungen der Bauchpresse werden immer schwächer und er-folgloser.
Sicher kommt diese Ermüdung häufig um einer kraftlosen undschwächlichen Bauchmuskulatur willen zu Stande. Das Kind stehtdann mit dem Kopf gar nicht mehr im Uterus, dessen Fasern müsstensich aufs äusserste zusammenziehen,, um an dem so viel tiefer ge-tretenen Kind nochmals Halt zu finden. Gerade in dieser Zeit undwie es scheint reflectorisch, weil der Kopf auf das Rectum drückt,sollte die Bauchpresse ihre volle Kraft anwenden. Geschieht dies nicht,so kommt die Austreibung immer mehr ins Stocken.
Wie bei allen quergestreiften Muskeln kommt auch hiebei öftersnach einer gewissen Ruhepause eine bessere Entfaltung der Thätigkeitwieder zu Stande. Ruhe und allgemeine Kräftigung durch Speise undTrank führt in der Regel zu rascher Besserung einer Ermüdung. Die-selben Grundsätze auch hier anzuwenden, wird öfter, als es gut ist,übersehen.
Bei räumlichen Missverhältnissen irgend einer Art, besondersbeim engen Becken, aber selbst schon bei rigidem, unnachgiebigemMuttermund hat die „Wehenschwäche" eine ganz andere Be-deutung. Man sollte glauben, dass nach der oben gegebenen De-finition über Wehenschwäche gar keine Meinungsdifferenz, ja keinUebersehen entstehen könnte. Wir haben schon kurz darauf hinge-wiesen, dass man den ganzen Uterus genau betasten müsse, wenn manFehlschlüssen aus dem Wege gehen will, und ich erwähne zur weiterenErklärung eine bestimmte Erfahrung. Bei einer jungen Erstgebärendenmit stark verengtem Becken waren zwei Aerzte ganz verschiedenerMeinung über den Zustand der Wehenthätigkeit: der eine behauptete,dass gar keine ordentlichen Wehen da seien, der Andere, dass es sichum sog. Tetanus uteri handle und der Uterus fast fortwährend zu-sammengezogen sei. Beide fühlten immer nach der Zusammenziehungdes Uterus, aber der eine legte die Hand in der Regio pubica,der andere auf den Fundus uteri auf. Als ich dazukam, fandich den Contractionsring halb bis zur Nabelhöhle hinaufgerückt. Dieunterhalb liegende, bis zur Symphyse reichende Partie war ganz blasen-artig gebläht und fühlte sich wie ein gespanntes Segel an. Uebrigensging die Furche des Contractionsringes nicht quer über das Abdomen,sondern schräg, sie war links um mehr als eine Hand höher gerücktals rechts, das zusammengezogene Gebärmutterhorn lag ganz nachder rechten Seite hin. Der Fundus uteri war aufs kräftigste contrahirt.Der weiche untere Theil war durch die Wehenthätigkeit aufsäusserste verdünnt, gedehnt, dem Zerreissen nahe. Es sinddies Verhältnisse, die man durch Bandl's Arbeiten näher kennen undbeurtheilen gelernt hat.
Es ist also die Wehenschwäche bei irgend einem räumlichenMissverhältniss eine eigene Sache. Man soll besonders in der Aus-treibungsperiode die Möglichkeit einer solchen Dehnung nie ausserAcht lassen.