350 Definition des Begriffes Wehenschwäche.
Aufnahme des Druckes konnte in diesem Fall in einen mit Fruchtwasser nochgut gefüllten Uterus eingelegt werden (A. f. G. Bd. III. p. 128). Das kann auchals Grund betrachtet werden, dass die Wirkung der Bauchpresse beim Hustensich so unmerklich geltend machte. Sonst fiel der Effect der Bauchpresse ganzanders aus.
Die Curve erläutert viele Verhältnisse aufs klarste, die Dauer des- An-schwellens (Stadium incrementi), des Höhepunktes und Abschwellens (Acme undStad. decrementi) und der Pause bei normalen Wehen. Die einzelnen Uterus-, contractionen wiederholen sich in kurzen Pausen von 2'/4 Minuten und hieltenalle Stadien zusammengefasst ca. 1 Minute an. Es war dies zur Zeit der Aus-treibungsperiode , und dieses Experiment stimmt auch in dem zeitlichen Ablaufder einzelnen Stadien ziemlich mit den klinischen Erfahrungen überein. GegenEnde der Eröffnungsperiode pflegt gewöhnlich alle 5 Minuten eine Zusammen-ziehung einzutreten, im Anfang der Geburt kommen solche viel seltener, in derAustreibung folgen sie häufiger auf einander.
Diesen weiten Umweg mit Druckballon im Uterus und Kymo-grapliiontrommel braucht man aber in der Praxis nicht. Das Wesender Wehe ist schon früher auch ohne diese Hülfsmittel ganz ebensoaufgefasst worden, das beweisen schon die ganz alten Namen, die langevor den Schatz'schen Experimenten üblich waren.
Und woher wusste man das und warum waren die Bezeichnungenüblich: Anschwellen, Höhepunkt und Abschwellen u. s. w.? Einfachvom Betasten der sich zusammenziehenden Gebärmutter. Mitdem Abtasten der Gebärmutter und dem Abzählen an derUhr gewinnt man einen für die Praxis hinreichend genauenund, was das wesentliche dabei ist, einen mehr objectivenMaassstab für die Wehenthätigkeit. Man ist dann nicht mehrabhängig von der Schmerzensäusserung, die ganz unzuverlässig ist,noch von dem Erfolg der Arbeit, welcher bei engem Becken nicht zuerkennen ist, trotzdem die Arbeit so gross ist, dass sie das Gebärorganzur Selbstzerreissung treibt. Aber dieses Abfühlen muss unbe-dingt den ganzen Uterus betreffen, wenn es nicht zu Irrthümernschlimmster Art führen soll. Den Druck abzurechnen, den die will-kürliche Contraction der Bauchmuskeln ausmacht, wird jeder Geburts-helfer unschwer lernen.
Die Definition der Wehenschwäche wird durch die obigenAusführungen recht einfach: Die Zusammenziehungen der Gebär-mutter machen ungewöhnlich lange Pausen, hören zu früh wie-der auf und erreichen in Beziehung auf Härte der Muskulaturnicht den üblichen Grad. Handelt es sich dabei um die Eröffnungs-periode, so bildet sich der Geburtskanal (s. oben), namentlich die Er-weiterung des Muttermundes, nur. auffallend langsam aus, und die Ei-häute werden durch die Wehe kaum merklich gespannt.
In der Austreibungsperiode rückt das Kind gar nicht mehr vomFleck und entsteht oft ein vollständiger Stillstand der Geburt.
Die Bedeutung der Wehenschwäche ist äusserst ver-schieden je nach der Geburtsperiode. Während dieselbe beistehender Fruchtblase, wenn sonst alle Verhältnisse normal sind, nichtsweiter als eine Unannehmlichkeit ist, welche der Kreissenden, ihrer