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Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
Entstehung
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347
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Missed labour" d. h. unterbrochene Geburt. 347

desselben neben dem sich weiter entwickelnden, bis der zweite reif geworden istund normaler Weise ausgestossen werden soll. Diese Art von Retention ist ganzbegreiflich, weil hiebei das Ei in toto doch fort ernährt wird.

Bei einfachem Ei kann entweder die Höhle geschlossen, intact bleiben, dieFrucht in früher Zeit absterben, aber das Ei durch seine dichte innige Adhärenzmit der Uteruswand haften bleiben bis zum normalen Ende der Schwangerschaft.Zu dieser Zeit werden die intact gebliebenen Eier immer ausgestossen.

Retention bei eröffnetem Ei hat von Oldham den Namenmissed labour"d. h. Aussetzen der Geburtsthätigkeit,unterbrochene, zum Stillstand gekommeneGeburt", erhalten. Es beginnt zwar die Ausstossung, das Fruchtwasser fliesst ab,aber der Uterus kommt zur Ruhe und der Fötus bleibt in utero seinem Schicksalüberlassen. Hiebei gibt es wesentlich 3 verschiedene Metamorphosen:

1) Mumification, Schrumpfung, Eintrocknung des Fötus.

2) Vereiterung und Verjauchung.

3) Steinkindbildung (Lithopädion).

Bei der Mumification kann der Fötus relativ lange ein unverändertes Aus-sehen behalten. Bei Vereiterung und Verjauchung können Durchbrüche nachNachbarorganen stattfinden. Die Retention der Frucht auf Lebenszeit und derenUmwandlung in eine Art Lithopädion kommt beim Menschen ausserordentlichselten vor, häufiger bei Thieren, Kühen und Schafen.

Die Erklärung dieser wunderbaren Indolenz der Gebärmutter ist schwer,namentlich dann schwer, wenn das Ei nicht durch Weiterernährung gleichsam eineEnclave der Schleimhaut des Uterus bleibt. Schröder vermuthet eine mangel-hafte Reizbarkeit der Innervation und stellt mehrere Fälle zusammen, wo dies Er-eigniss gerade bei Paralytischen stattgefunden hatte (Madge, Brit. med. Journ.16. Dec. 1821 und Borham, Lancet. Dec. 1870). Slavjansky fand zur Erklärungeiner Smonatliehen Retention eine Endometritis decidua chronica mit Verdickungund Verhärtung der Decidua. Ich vermuthe, dass es sich in diesen Fällen nichtum intrauterine, sondern um interstitielle Schwangerschaften, gelegentlich auch umRupturen des Uterus mit theilweisem Austritt des Kindes gehandelt habe.

Inhaltsübersicht.

1) Als Erkrankungen des Amnion nennen -wir die amniotischenBänder und Hydramnion. Das letztere ist zu erkennen durch die Fluc-tuation der übermässig ausgedehnten Gebärmutter. Es veranlasst inhöheren Graden Frühgeburt und starke Verzögerung der Wehenthätigkeit.Sehr häufig zeigen die Kinder Missbildungen.

2) An der Placenta sind hauptsächlich die Blutungen wegen vor-zeitiger Lösung und die Entzündung beachtensiverth. Die Ursache dersog. Entzündung der Placenta ist wahrscheinlich Syphilis.

3) Der Nabelstrang kann sich ungewöhnlich inseriren, er kann umden Hals geschlungen oder zu Knoten aufgedreht sein.

4) Die Axendrehung der Nabelschnur kann wohl gelegentlich denTod des Fötus bewirken. Die vielfachen Drehungen, ivelche bisweilengefunden werden, sind in der Mehrzahl postmortal entstanden.

5) Der Tod der Erucht in utero beicirkt die eigenthümliche Ver-änderung, welche man alsMaceration" bezeichnet.