Foetus maceratus. 345
Bisher sind nur vereinzelte Zeichen bekannt, um die frisch, nochbeim lebenden Kind entstandenen Drehungen von den postmortalen zuunterscheiden, so Thromben in den Gefässen, welche für einerasche Entstehung sprechen.
Bezüglich der Aetiologie ist man aufs Rathen angewiesen. Beinerkenswerthsind aber dabei doch einige Daten. Bille fand, dass die Knaben ein viel grösseresContingent stellen als Mädchen (13 : 9). Aehnlich waren die Ergebnisse bei Mar-telleur und Winckel. Es scheint danach die Entstehung mit der intrauterinenActivität der Kinder zusammenzuhängen, worin den Knaben ein grösseres Maasszugeschrieben wird. Auffallend und unerklärlich ist ein Fall von Fritsch (Klinikder geb. Op. 1875. p. 353), wo eine Frau 7mal nach einander Früchte mit tor-quirter Nabelschnur zu früh gebar.
Der Tod der Frucht während der Schwangerschaft. Die Macerationdes todten Kindes in der Gebärmutter.
Literatur.
Rüge: Z. f. Cr. u. G. Bd. I. p. 57. Ueber den Fötus sanguinolentus. —Runge: Berlin, klin. Wochenschr. 1882. Nr. 34.
Mag die Todesursache ganz beliebig sein, so bleiben sich dieVeränderungen, welche ein solches Kind durchmacht, ganz gleich. Dieauffallendsten Zeichen der Maceration sind die blutige Imbibitionder Haut, der Körperflüssigkeiten, der Gefässe und sämmtlicher Organe;ferner das Abfallen der Oberhaut in grossen Fetzen.
Wir bezeichnen den Vorgang als Maceration und die Früchte alsFoetus macerati. Der alte Namen „todtfaul" war ganz incorrect, weildiese Kinder keine Zeichen der Fäulniss im gewöhnlichen Sinne, näm-lich keinen Fäulnissgeruch zeigen. Der Geruch ist süsslich, fade. Immer-bin sind Aussehen und Ausdünstung solcher Fötus hässlich genug.
Die Veränderungen im einzelnen sind:
Die Epidermis hebt sich in Blasen und Fetzen ab. Unterdenselben erscheint das Corium krebsroth, wie die verbrannte Hautunter einer abgehobenen Brandblase. Die Kindesleiche ist schlaff undschlotterig. Der Kopf plattet sich ab, wenn man ihn anfasst oder hin-legt. Die einzelnen Knochen verschieben sich, ja lösen sich oft voll-ständig aus der Verbindung. Die Kopfhaut ist von Oedem ganz ab-gehoben, täuscht oft eine grosse Kopfgeschwulst oder während derGeburt einen Hydrocephalus vor. Die Hirnmasse ist vollständig breiigund zerfliesslich.
Alle Organe erleiden Veränderungen in ähnlichem Sinn. DieHauptmerkmale sind eine vollkommene Auflösung der Blutkörperchen,Diffundiren des Blutfarbstoffes durch alle Gewebe, so dass alle eineziemlich gleichmässige, blutrothe Färbung bekommen. Gerade wie dasBlut, so sind alle Organe ganz verflüssigt oder von Flüssigkeit durch-tränkt.
Neben dieser Blutfarbstoffimbibition kommt ein fettiger Zerfall