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Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
Entstehung
Seite
344
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344 Torsio funiculi umbilicalis.

schlingung nicht um den Hals, so ist Einschnüren von Extremitätenmöglich, die dadurch im Wachsthum zurückbleiben.

3. Wahre und falsche Knoten. (Nodi veri et spurii.)

Der wahre Knoten braucht keine Definition. Er entsteht, wennder Fötus durch eine offene Schleife des Nabelstranges schlüpft. Durchweitere Bewegungen der Frucht wird der Knoten angezogen und des-wegen kann wieder eine Circulationsstörung entstehen, welcher dasKind erliegt.

Falsche Knoten sind entweder nur Anhäufungen von Warthon-scher Sülze oder Aufdrehungen der Gefässe. Diese Nodi spurii sindbedeutungslos.

4. Die Axendrehung der Nabelschnur. Torsion.

Schon im normalen Zustand sind die Nabelschnurgefässe um ihreAxe gedreht (Spiraldrehungen vergl. oben S. 64). Auch Drehungendes ganzen Stranges kommen vor. Es hat nämlich Kehr er daraufhingewiesen und den 'Modus ihres Nachweises angegeben. Er fixirtenach dem Abnabeln und Wegnehmen des Kindes das freie abgeschnittene

Fig. 131.

Torsion der Nabelschnur. (Nach A. Martin.;

Strangende mittels einer Stecknadel auf die Matraze und liess sie be-festigt, bis die Nachgeburt erschienen war. Dann wurde die Steck-nadel gelöst und beim Aufdrehen die Zahl der Umdrehungen fest-gestellt. Bis zu 21 solcher konnte Kehr er bei noch lebendem Kindezählen. Damit ist nachgewiesen, dass Axendrehungen keineswegs un-fehlbar zum Tode führen. Nur wo sie Stenosen der Nabelgefässe be-dingen, führen sie zum Absterben, aber wahrscheinlich langsam. EineAxendrehung bei todtem Kind ist also nicht ohne weiteresund unzweideutig dessen Todesursache gewesen.

Solche Torsionen gibt es gelegentlich in grosser Zahl und so enggedreht, dass jede einzelne den Tod herbeiführen müsste. Es machtenRüge und Martin darauf aufmerksam, dass bei so grosser Zahl eng-gedrehter Windungen die meisten erst postmortal durch passive Be-wegungen des Fötus entstanden sein mussten.