Die Anomalien der Placenta. 341
Die Erkrankungen der Decidua
sind, soweit sie praktische Bedeutung haben, schon oben (unter denKrankheiten des Endometrium, wozu sie genetisch gehören) berück-sichtigt worden.
Wir erwähnen hiebei nur um der Vollständigkeit willen noch desprimären Fehlens oder frühzeitigen Schwundes der Dec. reflexa und derHypertrophie und nennen noch speciell
die Blutungen in die Decidua, Hämorrhagie undBlutmole.
Wenn auch meist die Hämorrhagien in die Decidua von Er-krankungen des Eies und besonders von Endometritis abhängen, soist der Einfluss des mechanischen Insultes nicht ganz zu leugnen. Nichtselten kann das ergossene Blut zum grössten Theil zurückbleiben, sichtheilweise organisiren und dadurch Blutmolen bilden.
Die Anomalien der Placenta.
Nachdem die Erkrankungen der einzelnen Theile, aus denen diePlacenta sich aufbaut, schon Berücksichtigung fanden, erübrigt es nurnoch, die Anomalien des Gesammtorganes hier zu besprechen.
Dem falschen Sitz derselben — der Placenta praevia — müssenwir um der hohen praktischen Bedeutung willen schon ein besonderesKapitel widmen, und werden wir später unter den Ursachen der grossenBlutungen darauf zurückkommen.
Hier sei nur der Blutungen wegen mehr oder weniger aus-gedehnter Lösung des Mutterkuchens von der normalen Haft-stelle gedacht. Wahrscheinlich liegt auch hiebei die Ursache in Er-krankungen des Decidualgewebes und Veränderungen der Gefässe. Neuer-dings ist auf die Nierenkrankheiten als disponirendes Moment hingewiesenworden (vergl. dort). Die Bildung von Blutmolen und die Placentar-hämatome sind nur quantitativ und zeitlich verschieden. Die letzteren sindgeringer, kommen in früherer Zeit der Gravidität vor, führen auch meistzu baldigem Untergang der Frucht und zur Ausstossung des Eies.
Die Blutergüsse drängen sich oft in die intervillösen Räume —Thrombose der Placentarsinus — bilden dort Gerinnungen, die sichorganisiren und fettig zurückbilden. An den weissen, speckartigenInseln, die sich keilförmig von der Uterinfläche der Placenta mehr oderweniger tief zwischen die Zotten einsenken, sind die früher dagewesenen,aber zum Stillstand gekommenen Hämorrhagien zu erkennen. Beifrühem Stillstand der Blutung geht die Störung ohne Nachtheil für dasKind vorüber.
In anderen Fällen durchbricht das Blut die Decidua und fliessttheilweise ab. Coagula bleiben sitzen und ein wässeriges dunkles, nichtgerinnendes Blut fliesst ab. Sind die Gerinnsel gross, so tragen sieauch zur Volumsvermehrung der Gebärmutter bei und geben ein Krank-