340 Die sogenannte acute Polyhydramnie.
todt ist. Der Uterus ist durch die grosse Menge Flüssigkeit aufsäusserste gedehnt und gespannt. Die Form der Gebärmutter wirdkugelig, kleine Theile sind von den Bauchdecken relativ weit entferntund schwer oder gar nicht durchzufühlen. Der untere Gebärmutter-abschnitt wird halbkugelig abgerundet und zu voluminös, um noch inden Beckeneingang eintreten zu können. Deswegen rückt auch diePortio vaginalis hoch und wird die Scheide gestreckt.
Durch die starke Ausdehnung entsteht Beklemmung, Unruhe,Stauungen, Oedeme, besonders an den Unterextremitäten. Am ehestenist Verwechselung mit Ovarialkystom möglich, namentlich da solche auchwährend der Schwangerschaft wachsen. Man achte also genau auf dasVorhandensein von Herztönen.
Die Prognose ist weder für Mutter noch Kind bedenklich. Sindkeine Missbildungen zugegen, so können die Kinder gut entwickelt zurWelt kommen.
Bei der Geburt ist gewöhnlich die Wehenthätigkeit recht tragund erfolglos. Ein Punctiren der Fruchtblase wird oft um der Be-engung und der Athembeschwerden willen nothwendig, es ist zur An-regung der Wehenthätigkeit empfehlenswerth. Doch darf das Frucht-wasser nicht auf einmal, im Schwall abgelassen werden. Mehr wieeinmal war der Wegfall einer Erweiterung des unteren Uterinsegmentesauffallend. Die Blase springt, der äussere Muttermund wird ein weniggedehnt und der Fötus schiesst heraus.
Als besondere acute Form wird 'ein Hydramnion aufgestellt, dassich schon in früheren (5—7) Monaten bildet und in kurzer Zeit denUterus ad maximum ausdehnt (Charpentier). Es kommt dieseHydramnionbildung besonders häufig an dem einen Fötus bei Zwillings-schwangerschaft vor.
Praktisch ist diese Art von Hydramnion nicht von anderer Bedeutung alsdie gewöhnliche. Theoretisch knüpfen sich an die Erörterung der Ursache dieinteressantesten wissenschaftlichen Fragen. Daraus können wir hier allerdings nurdie Hauptpunkte andeutungsweise erwähnen. Schatz machte zuerst darauf auf-merksam, dass Herz und Niere des polyhydramnischen Fötus ganz erheblich grösserseien, als beim Zwillingsgeschwister. Nun haben solche eineiige Zwillinge nebenden zwei separaten stets noch einen gemeinschaftlichen Kreislauf. Schatz nahmnun an, dass das eine der Kinder für das andere urinire, und zwar in seineAmnionhöhle, also gleichsam sein Zwillingsgeschwister auspumpe und sich selbstum ebensoviel Wasser bereichere, um schliesslich Bruder oder Schwester in dembeschränkten Raum an die Wand zu drücken und einen Foetus papyraceus zuproduciren. Dies wäre der Kampf ums Dasein im Mutterleib! Die Hypertrophievon Herz und Nieren wurden auch von Küstner und Nieberding gefunden,auch diese bestätigten die Vermehrung des Fruchtwassers durch Urin, wenn auchdieser nicht die alleinige Quelle desselben ist. Küstner betont aber Stauungendes grösseren polyhydramnischen Fötus durch Lebercirrhose u. dergl. und betrachtetdie Herzhypertrophie als secundär. Nieberding fand zweimal beginnende Or-ganisation, also Verengung des Ductus arteriosus Botalli. Werth legt die Ursachedes Hydramnion in eine Erkrankung der Chorionzotten.
Wahrscheinlich ist es, dass auch die Bildung der Polyhydramnie beiZwillingen in Verhältnissen einer vermehrten Transsudation im betreffenden Fötusselbst gesucht werden muss und Herz- und Nierenhypertrophie Secundärerschei-nungen sind.