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Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
Entstehung
Seite
339
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Aetiologie des Hydramnion. 339

Davon interessiren in praktischer Beziehung nur 2 Anomalien:1) die amniotischen Bänder (Simonart'sche Bänder) und 2) dasHydramnion. Sowohl die einigemal beobachteten Cysten als auchdie zu geringe Menge von Fruchtwasser haben praktisch keine Be-deutung.

I. Die amniotischen Bänder

muss man sich in der ersten Zeit des Fötallebens entstanden denken.Am wahrscheinlichsten ist es, dass sich zu Anfang die den Embryoumhüllenden Falten nicht normal abheben, vielleicht weil sich nichtgenügend Fruchtwasser in die Amnionhöhle absondert. Kommt spätereine stärkere Fruchtwasserabsonderung nach, so werden die verwachsenenAmnionfalten lang ausgezogen und bilden Bänder. Solche Strängekönnen Glieder halb oder ganz ablösen, also an mannigfaltigen Ver-kümmerungen und an Selbstamputationen Schuld tragen. Die Ursachewird von mancher Seite auf entzündliche Verwachsungen geschoben.Wahrscheinlicher sind Hemmungsbildungen.

2. Das Hydramnion.

Man versteht darunter eine übermässige Fruchtwasseransammlung,die langsam im Verlauf der Schwangerschaft entsteht. Von übermässigemQuantum spricht man, wenn mehr als 2 Liter Fruchtwasser in dem Eienthalten sind.

Die Ursache des Hydramnion ist am wahrscheinlichsten in Trans-sudationen aus dem kindlichen Kreislauf zu suchen. Zunächstist darauf hinzuweisen, wie häufig gerade auch die stärksten Ansamm-lungen sich bei Spaltbildungen vorfinden (Hydrorrhachis, Hemicephalie,Blasenspalte etc.). Das sind ganz verständliche Ursachen für dieBildung einer übermässigen Menge Fruchtwasser. Ganz analog dazuverhält sich das Offenbleiben eines Chorionkreislaufes (persistirendeVasa propria der Grenzmembran der Placenta). Jungbluth hattesolche durch Injection bei Fällen von Hydramnion nachgewiesen.

Direct ist auch nicht auszuschliessen, dass gelegentlich eine Ver-mehrung durch Transsudate vom mütterlichen Kreislauf aus stattfindet.

Spiegelberg machte darauf aufmerksam, wie häufig bei Hy-dramnion Missbildungen der Kinder erscheinen. Für die höheren Fälletrifft dies im allgemeinen zu.

Endlich ist es sehr bemerkenswert!!, dass M'Clintock auf 33 Fälle 28malMehrgebärende und 25 Mädchen fand. Dass aber solche Angaben durch Zufallzu stark beeinflusst sein können, um aus ihnen Schlüsse zu ziehen, zeigt Benicke'sZusammenstellung, der unter 20 Fällen 18 Knaben zählte.

Die Diagnose ist durch ausgesprochene Fluctuation am schwan-geren Uterus ziemlich sicher'gestellt. Auf die Feststellung der Schwanger-schaft ist das Hauptgewicht zu legen, aber dies sollte besonders in denspäteren Monaten keine Schwierigkeiten bieten, selbst wenn das Kind