Druckschrift 
Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
Entstehung
Seite
336
Einzelbild herunterladen
 

336 Diagnose der Blasenmole.

Blutabfluss, ganz wie durch das Lösen der normalen Chorionzotten beimgewöhnlichen Abortus. Durch Beimischung des zähflüssigen Inhaltesder myxomatös entarteten Bläschen bekommt das Blut eine schleimigewässerige Beschaffenheit und scheint deswegen geringere Tendenz zumGerinnen zu haben.

Die Blutungen sind oft sehr lange anhaltend, ehe es zur voll-ständigen Ablösung kommt. Einzelne Symptome werden gelegentlichbeobachtet, die jedoch nicht massgebend für die Diagnose sind. Wirnennen Schmerzen im Unterleib, Schwäche, Abmagerung und Oedemder Beine. Bei der Palpation zeigt sich der Uterus weicher als sonst.Nirgends sind Kindestheile durchzufühlen.

Diagnose. Wenn eine Frau in der 12.16. Wocheschwanger ist, ihre Gebärmutter jedoch schon am Nabelsteht oder diesen überragt, wenn zu gleicher Zeit einBlutabgang sich einstellt, so ist mit grösster Wahrschein-lichkeit eine Traubenmole vorhanden. Es gibt nur einen Zu-stand, der ziemlich die gleichen Symptome macht und deswegen ge-legentlich für Blasenmole gehalten werden kann; nämlich die vor-zeitige Lösung der Placenta mit Retention der Blutcoagula(vergl. das Kapitel Nephritis). Auch hier hat man eine Vergrösserungdes Uterus, die nicht der Berechnung entspricht, auch hier eine Blu-tung, die sehr lange dauern kann, ehe die Ausstossung beginnt undendlich auch hier ein dünnflüssiges Blut, das oft trotz alles Tampo-nirens nicht gerinnt. Aber nur der Abgang von Blasen, oder dochwenigstens das directe Befühlen derselben durch den eröffneten Cervical-kanal kann die Diagnose sicherstellen.

Die destruirende Blasenmole.

In seltenen Fällen wachsen die quellenden Chorionzotten so starkin die Gebärmutterwand hinein, dass sie dieselbe verdünnen. An ana-tomischen Präparaten war die trennende Wand durchscheinend ge-wesen, so dass die myxomatösen Cysten bis dicht unter den Peritoneal-überzug vorgewachsen waren. Die Folge dieser Entartung ist eineausserordentliche Schwächung der Uteruswand. Die so tief zwischendie Muskelfasern eingedrungenen Blasen lösen sich schwer und unvoll-kommen. Da aber die Blutung erst zum Stillstand kommt, wenn dasganze Ei entfernt ist, so wird die destruirende Blasenmole durch längeranhaltende Blutungen äusserst gefährlich. Wir werden bei der Be-handlung davon zu sprechen haben, dass die manuelle Ausschälungdes degenerirten Eies weniger thunlich ist als beim Abortus. Bei derdestruirenden Blasenmole besteht die Gefahr, bei dem Eingehen in denUterus die Gebärmutterwand durchzubrechen und unfehlbar den tödt-lichen Ausgang herbeizuführen. Glücklicher Weise ist die Art vonBlasenmole selten. Bis jetzt liegen nur 3 Beobachtungen vor vonR. Volkmann, Waldeyer und Krieger. Die Zotten waren in den