Symptome und Verlauf bei Blasenmole. 335
die Stiele sind die nicht verflüssigten Partieen. Die Sülze, welche inden Bläschen liegt, hat die grösste Aehnlichkeit mit der Wharton-schen Sülze im Nabelstrang. Diese Wharton'sche Sülze ist aberfötales Bindegewebe und deswegen liegt es gewiss nahe, auch dieBlasenmole als eine übermässige Wucherung fötalen Bindegewebes imGrundstock der Chorionzotten aufzufassen. Dieser histologische Bestand-theil stammt vom Endochorion und der Anmionscheide des Nabelstranges.
Es kann die Blasenmole schon im 2. oder 3. Monat abgehen, dieMehrzahl der Fälle kommt jedoch erst im 5. und 6. Monat vor.
Die Aetiologie dieser Störung ist unbekannt. Wenn auch ein-zelnes dafür spricht, dass die Ursache in der Mutter liege, so ist dochwahrscheinlicher, dass Blasenmole eine Krankheit des Chorion und derAllantois sei. So viel ist sicher, dass Syphilis damit gar nichts zuthun hat. Die Gründe, welche für eine Aetiologie von mütterlicherSeite sprechen, sind das wiederholte Vorkommen dieser Mole bei dergleichen Frau, ferner das Vorkommen in ungewöhnlich hohem Alter(2 Fälle von Schröder bei 53 und 50 Jahren) oder früher Jugend,bei interstitiellen Fibroiden. Für die Ursachen von. Seiten des Eiesspricht in erster Linie, dass die ganze Störung sich an Eitheilen, amChorion vollzieht, dann, dass häufig einzelne Partieen der Zotten de-generirt, andere normal sind. Auch die Zottendegeneration bei demeinen Ei einer Zwillingsschwangerscbaft, wobei das andere Ei, resp.die Placenta, vollständig normal bleibt, ist eher im letzteren Sinn zudeuten. Häufig kommt diese Degeneration zusammen mitHydropsie vor.
Historische Notiz. Der Ausdruck „raola" ist aus dem Alterthum über-nommen und schon von Aristoteles und Galen gebraucht worden. Diese Formwurde im 17. Jahrhundert als „mola aquosa" ausgeführt. Ende des vorigen undAnfang dieses Jahrhunderts fielen die Helminthologen auf die Traubenmole herein,rechneten sie zu den Blasenwürmern und stritten darüber und behaupteten natür-lich, dass „das Ding auch ohne Conception entstehen könne". Nebenher ging schoneine bessere Kenntniss, da man sie doch wenigstens von den Placentarzotten ab-leitete. Schon A. Hall er (1768) leitete sie von solchen und zwar aus einer Ver-änderung ihrer Gefässe ab. Velpeau liess zuerst diese Theorie fallen und erklärte,dass die Blasen keine Cysten gewöhnlicher Art seien und seit Johannes Müller(1843) weiss man, dass es keine Cysten, sondern solide Anschwellungen der Zottensind. Virchow verdanken wir endlich in dieser Sache wie in so vielen anderendie abschliessenden Forschungen. Nach seiner Ansicht stammen die Zotten ausdem gleichen Grundstock, wie die Wharton'sche Sülze, bestehen aus dem epithe-lialen Ueberzug (Exochorion) und dem schleimgewebigen Grundstock (Endochorion),dass die Wucherung des Epithels bei der Blasenbildung das erste sei und dasknospenartige Hervorwachsen Jdes Grundstockes folge (siehe Beck M. f. G. Bd. 27.p. 203. 1866).
Symptome und Verlauf. Wenn die einzelnen Chorionzottenaufquellen, so muss die Traubenmole eine grössere Ausdehnung er-langen, als ein normal entwickeltes Ei derselben Zeit. Dies erklärtsofort das erste Symptom der Traubenmole, die stärkere Aus-dehnung des Uterus.
Das zweite Symptom bilden die Blutungen. Bei dem Auf-quellen werden immer einzelne Zotten herausgedrängt, und entsteht ein