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Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
Entstehung
Seite
332
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332 Ausführung der Laparotomie.

mit gleichzeitiger Verstopfung. Der Leib war stark vergrössert und hart, bis plötz-lich Diarrhoe eintrat und darauf der Leib zusammenfiel. Wir machen auf diesesSymptom besonders aufmerksam, weil darauf nirgends direct hingewiesen wird,und doch kehrte uns die Erwähnung einer heftigen Diarrhoe zu der Zeit des Ab-sterbens des Fötus beim Durchlesen der Literatur auffallend häufig wieder. Zurgleichen Zeit trat eine Blutung aus den Genitalien auf, die 14 Tage dauerte. Mitdem Blut gingen deutlichHäute" aus den Genitalien ab. Kindsbewegungen hatdie Kranke nie gefühlt, dagegen schwollen zur Zeit der Blutung die Brüste an,spannten und entleertenMilch". Seitdem war eine stetige Verschlimmerung desZustandes zu constatiren. Alles was genossen wurde, stiess der Magen wieder aus.Von Zeit zu Zeit spürte Pat. Zuckungen in den Armen. Endlich trat eine eigen-thümliche Kiefersperre ein. Patientin konnte die Zahnreihen nicht mehr als l'/a cmauseinander bringen. Im Abdomen sass ein Tumor, der bis zum Nabel reichte.Ueber demselben tympanitischer Schall! Der Tumor ist auch im vorderen Scheiden-gewölbe links zu fühlen. Bei der Sondirung zeigt sich der Uterus leer. Mitdiesem Befund trat Patientin Mitte April 1880 in die Klinik ein. Erst hier ent-wickelte sich ein Hautemphysem über dem Fruchtsack. An beiden Armen diffuseRöthung. Sobald festgestellt war, dass es sich bereits um vollständige Verjauchungdes Fötus und weitreichende septische Infection von da aus handle, wurde dieLaparotomie vorgenommen. Seit dem muthmasslichen Absterben des Fötus warenmindestens 8 Wochen verstrichen. Mitten über den Fruchtsack, direct durchdie Bauchmuskeln wurde incidirt, die Fruchthöhle blossgelegt, die bis handbreitüber die Symphyse verwachsen war, mit einem kleinen Häkchen erst eine feineOeffnung gemacht und die Jauche abgelassen, der Fruchtsack mit Carbollösungausgespült, erst jetzt weiter eröffnet und mittelst Matratzennaht an die Bauchwandgeheftet. Durch die Oeffnung konnte das Kind nur nach ausgiebiger Verkleinerungdurchtreten. Es war dasselbe schon vollständig zerfallen, dem 7. Monat ent-sprechend. Die Placenta wurde nicht aufgesucht, in die Jauchehöhle ein finger-dicker Glasdrain eingesetzt. Nach der Operation war das Fieber wie abgeschnitten.Unter täglich 4mal wiederholten Ausspülungen ging die Placenta und die Sack-wand in Stücken ab, und reinigte sich die Wunde. Am 24. Mai trat Patientinmit granulirender Höhle, aber im wesentlichen geheilt, aus.

Inhaltsübersicht.

1) Es gibt verschiedene Formen von Extrauteringravidität je nachdem ursprünglichen Sitz des Eies, nämlich Eileiterschwangerschaft, Ovarial-schwangerschaft und Abdominalschwangerschaft.

2) Die Graviditas tubaria verläuft verschieden, je nachdem sich dasEi in dem uterinen Ende (Graviditas tubo-uterina oder interstitialis) oderin dem abdominellen Ende einbettet.

3) Bleibt die Eileiterschwangerschaft sich selbst überlassen, so endetsie gewöhnlich durch Zerreissung des Oviductes in den ersten Monatender Schwangerschaft und Verbluten der Mutter aus der Rissstelle.

4) Es gibt glückliche Ausnahmen, z. B. dass der Fötus stirbt undsich abkapselt oder dass die Blutung nicht unmittelbar zum Tode führtund das grosse Gerinsel sich abkapselt und entleert iverden kann (Häma-tocele entleert durch Elytrotomie).

5) Endlich sind Ausnahmen bekannt geivorden, bei denen die Tubesich bis zur Reife des Kindes zu dehnen vermochte.

6) Die Zeichen einer Tubar- bezw. einer Extrauteringravidität sindzuerst Erscheinungen der Schivangerschaft: Schivellen der Brüste, Eng-werden der Taille, Uebelkeiten u. dergl. mehr. Der Blutabgang bleibt