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Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
Entstehung
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331
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Behandlung der Bauchhöhlenschwangerschaft. 331

Schnittes sehr gross, so lange das Kind noch lebt. Die Infections-gefahr zwar geringer, als bei verjauchter Eihöhle, aber immer nochgross genug.

Ist der Fötus abgestorben, so verödet die Placenta, und es bildensich auch die Gefässe, welche den Chorionzotten als Matrix gedienthaben, zurück. Während man bei der Laparotomie, so langedas Kind lebt, unfehlbar eine sehr starke Blutung bekommt, fallsdie Placenta abgetrennt wird, ist bei der secund'ären schon sehroft die Placenta in toto ohne Schaden hinweggenommen worden. Jemehr Zeit seit dem Absterben verstrichen ist, um so sicherer ist diePlacenta materna thrombosirt, um so geringer die Verblutungsgefahr.

Litzmann hat gerade über diesen Punkt eine Zusammenstellungder gut beobachteten Fälle gemacht. Das Ergebniss war, dass dieVerödung erst im Lauf von mehreren Wochen zu Stande kommt.Zweimal sind 10 Wochen nach dem Tod des Fötus noch Blutungeneingetreten, als Stücke der Placenta abgelöst wurden. In einem eigenenFall hatte Litzmann ll 1 /« Wochen nach dem Aufhören des kind-lichen Lebens gewartet, um der Verödung sicher zu sein und dannauch die Placenta, die an der vorderen Wand des Fruchtsackes sass,ohne Blutung durchschneiden können.

Es ist auch da der Wunsch gerechtfertigt, Kind und Mutter zuretten, also die primäre Laparotomie bei noch lebendem Kind zumachen. Bei der grossen Blutungsgefahr, die auch dann besteht, wodie Placenta nicht getroffen wird, erwäge jeder Arzt wohl, was er wagt.Es ist ja immer möglich, dass man die Schwierigkeiten noch zu über-winden lernt; aber bisher ist doch eine grosse Zahl Operirter derBlutung erlegen.

Wenn die Naturheilung durch die Bildung eines Steinkindes ein-trat, ist man auch noch nicht sicher, dass dieses ohne weitere Folgenabgekapselt bleibe, wie das berühmte Steinkind von Leinzell. Eineneue Schwangerschaft kann Eiterung u. s. w. anregen, aber selbstohne diese Veranlassung, selbst ohne Traumen, aus ganz unbekannterVeranlassung ist Eiterung nachträglich noch aufgetreten. Wenn manauch nicht rathen kann, die abgekapselten Föten zu excidiren, mussman doch jedenfalls solche Frauen ganz genau im Auge behalten undbei Anzeichen von Eiterbildung (leichter Fieberbewegung, Kränklich-keit, Hinfälligkeit, Appetitmangel etc.) den operativen Eingriff wagen.

Wir theilen hier einen selbst beobachteten Fall von Abdominalschwanger-schaft kurz mit, weil er einen ziemlich typischen Verlauf zeigte. Die betreffendeFrau war 31 Jahre alt, hatte die Menstruation rechtzeitig bekommen und immerin ganz normaler Weise gehabt. In lljähriger Ehe hatte sie 7 Kinder ohne Kunst-hülfe geboren und dieselben gestillt. Von dem 7. Wochenbett an fühlte sich dieFrau häufig krank. Einmal hatte sie 8 Wochen lang Magenschmerzen. DiePeriode blieb im Juli 1879 aus. Im August traten heftige Schmerzen im Leibauf, dazu Verstopfung und Erbrechen. 6 Wochen musste sie zu Bett liegen. DieSchmerzen kamen anfallsweise. Im November wurde extrauterine Gravidität ver-muthet. Da aber Patientin sich 2'/2 Monate wohl befand, wurde die Diagnosewieder sehr schwankend. Im Februar 1880 kamen von neuem Schmerzen im Leib