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Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
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330 Behandlung- der Abdominalgravidität.

sehr geringe Aussichten. Die Kinder sind selten gerettet worden, dieMütter fast nie. Die Gefahr liegt in dem Verhalten der Placenta.

Die Placenta ist in diesen Fällen in des Wortes streng-stem Sinn ein Noli me tangere. So lange sie zur Ernährung desFötus dient, ist die Unterlage äusserst succulent und blutreich. Wollteman die Nachgeburt abheben, so würde es aus der Tiefe bluten, ge-rade so stark wie aus der Placentarstelle bei Atonie des Uterus (vergl.unten). Aber bei der extrauterin sitzenden Placenta existirt der Nach-theil, dass niemals eine Stillung von Natur aus möglich ist. Nur diekünstliche Compression kann den Blutfluss hemmen. Nun ist es abereine Unmöglichkeit, bis zur Zurückbildung der Placentarstelle zu com-primiren. Unterbinden ist in der Tiefe des Sackes unmöglich, nichtallein, weil man die blutende Stelle nicht sichtbar machen kann, son-dern hauptsächlich, weil die Gefässe anastomosirende, lacunäre Er-weiterungen haben. Es bleibt nur das eine Mittel: die Tamponade undauch diese ist nicht sicher.

Das einzige Mittel der Blutung und der directen Verblutungs-gefahr vorzubeugen besteht darin, die Placenta sitzen und derenAusstossung durch Schmelzung und Eiterung geschehen zulassen.

Aeusserst schlimm ist aber die Operation, wenn die Placenta vomMesser getroffen wird.

Von vornherein sollte man annehmen können, dass die Nachgeburtniemals da sitzen könne, wo man schneidet, weil dieselbe immer sichda bildet, wo das Ei sich inserirt und dies auch bei der Extrauterin-gravidität im Becken geschieht. Es ist gewiss, dass von dieser erstenInsertion eine starke Ausbreitung der Placenta entsteht.

Der Raum von der abdominalen Mündung der Tube bis überden horizontalen Schambeinast ist jedoch sehr gross, weit grösser alsder gewöhnliche Placentardurchmesser. Man sollte deshalb denken,dass es gar nicht vorkommen könne, dass sich die Placenta so weitausdehne; doch sind sehr viele Fälle bekannt Litzmann rechnet,dass es auf jeden 5.6. Fall einmal vorkomme in denen die Pla-centa an der vorderen Bauchwand sass. Je schlechter, blutärmer derUntergrund als Nährboden der Chorionzotten ist, um so weiter breitensie sich aus, um so grösser wird ihre Fläche.

Litzmann hat in einem solchen Fall diesen Sitz intra vitam ausdem Placentargeräusch vermuthet und die Operation bis nach demTode des Kindes verschoben.

Zur dauernden Blutstillung kann in einem solchen Fall nur eineMatratzennaht führen, welche die Bauchwand in Falten legt und dieblutenden Flächen fest gegen einander drückt, und zwar so, dass mittelseiner gestielten Nadel immer wieder eine Seidenschlinge durch den-selben Stichkanal zurück gezogen wird. Während der Ausführungdieser Naht sind die Wundränder durch Billroth'sche Pincetten zucomprimiren.

Die Verblutungsgefahr ist also bei der Ausführung des Bauch-