328 Verlauf der Bauchhöhlenschwangerschaft.
Da keine präformirte Hülle gesprengt zu werden braucht, das Eisich vielmehr in der Bauchhöhle ganz frei entwickeln kann, so erreichtdie Bauchhöhlenschwangerschaft am ehesten das Ende der Tragzeit.
Die Ernährung und Athniung des Fötus geht von der Placentaaus vor sich. Ein directer Uebergang von Gefässen der Mutter zusolchen des Kindes existirt hier so wenig als bei der uterinen Gravidität.
Wenn das gewöhnliche Ende der Schwangerschaft erreicht ist,so muss der Fötus aus seiner Höhle befreit werden oder darin ab-sterben. Meistens kommt es zu dieser Zeit zu förmlichen Wehen, derUterus contrahirt sich, trotzdem er keinen Inhalt hat. Ja die Wehensind oft länger dauernd und äusserst qualvoll, und das Resultat diesergrossen Anstrengungen ist die Geburt der Decidua vera: der Uterusstösst seine gewucherte Schleimhaut aus.
Den Tod des Fötus kann man so erklären, dass diese Contrac-tionen des Uterus Zerrungen am Fruchtsack bewirken, dieser partiellreisst und das Fruchtwasser abgeht.
Dass es nun auch Fälle gebe, wo der Fötus bei intacten Ei-membranen zur Zeit der Reife abstirbt, ohne dass ihn irgend eineSchädlichkeit getroffen hat, ohne dass sein Fruchtwasser abgeflossenist, scheint aus den Erzählungen in der Literatur hervorzugehen. Ganzunzweifelhaft ist es aber nicht bewiesen. Die Feststellung der That-sache wäre höchst interessant, weil sie dafür sprechen würde, dass derreife Fötus mit der Placentarathmung und Ernährung nicht mehr weiterexistiren kann.
Ist der Fötus aus irgend einem Grunde abgestorben, so muss er,wie alles, was ausser Ernährung gesetzt ist, in Auflösung übergehen.Wie diese sei, hängt ganz ab von der Nebenernährung, die sich nachdem Aufhören der Placentarathmung einstellt.
Wir haben schon oben angegeben, dass sich häufig um das heran-wachsende Ei abkapselnde Membranen bilden. Wenn diese eine ge-wisse Ernährung des Fötus fortsetzen, indem sich an Verwachsungs-stellen Gefässanastomosen bilden, so kann die Auflösung länger auf-gehalten werden. Wahrscheinlich hängt es hiervon ab, ob die regressiveMetamorphose einen ganz bestimmten Verlauf annehme, nämlich inAdipocirebildung übergehe und den Grund lege zur späteren Kalkein-lagerung — zur Bildung eines Steinkindes.
Adipocire nennt man eine wachsähnliche, fettig sich anfühlendeMasse, die sich aus Muskeln, Haut und Bindegewebe des Fötus bildet.In die Umhüllung dieser Masse werden Kalksalze eingelagert und da-durch entsteht [mit Beibehaltung der äusseren Form das sogenannteSteinkind.
Wenn keine anastomotische Ernährung zu Stande kommt, musssich der Fötus auflösen, zerfallen, „maceriren", wie eine im Uterustodt liegende Frucht. Der Zerfall braucht nicht faulig, d. h. nichtmit der Bildung übelriechender Gase verbunden zu sein; aber bei derExtrauteringravidität ist die Gefahr, dass Fäulniss in dem FruchtsackPlatz greife, ausserordentlich gross. Man beschuldigt zur Erklärung