Abdominalgravidität. 327
gehörenden Sack eingebettet sei, wurde früher von Scanzoni nichtanerkannt. Spiegelberg weist darauf hin, dass beide Arten vonOvarialschwangerschaft thatsächlich beobachtet sind. Jede Extrauterin-schwangerschaft, bei der das Ei in die freie Bauchhöhle hinauswachsenkann, führt nicht oder doch erst viel später zum Bersten des Frucht-sackes.
Die reine Ovarialgravidität führt in 3—4 Monaten zur Zerreissungdes im Ovarialstroma eingeschlossenen Fruchtsackes und endigt wiedie tubare meistens in kurzer Zeit mit Tod durch innere Verblutung. Wasüber die Diagnose und Therapie dort gesagt worden ist, gilt auch hier.
Die Bauchhöhlenschwangerschaft (Gr. abdominalis siveperitonealis).
Hier setzt sich das Ei auf dem Peritoneum selbst fest und bildet•eine Placenta, welche den Fötus bis zur Reife ernähren kann. Diesist die merkwürdigste Thatsache.
Für die Placentarbildung ist neben den Chorionzotten, die vomEi aus wachsen, ein günstiger Boden nothwendig, in welchen sich dieEisprossen einsenken können. Bei der normalen Schwangerschaft istdies die Decidua, also die zu einer succulenten, sehr gefässreichenMembran ausgewachsene Uterusschleimhaut.
Bei der Tubarschwangerschaft leistet die Schleimhaut des Ei-leiters denselben Dienst und dies ist durchaus nicht befremdend, weildie beiden Membranen, Uterus- und Eileiterschleimhaut, histologischsehr ähnlich sind. Dass aber die Peritonealauskleidung des Beckens— eine seröse Membran mit glatter Oberfläche — ebenfalls im Standeist, so sich umzubilden, dass Chorionzotten darin sich einbetten undeine Placenta bilden können, ist höchst wunderbar. Es legt dies dieVermuthung nahe, dass in solchen Fällen die primäre Anlage immervon den Schleimhautgrenzen der Tube ausgehe und von da sich weiterverbreite. Den Chorionzotten wächst bei der Bauchhöhlenschwanger-schaft ein Granulationsgewebe als Nährboden entgegen.
Der Fruchtsack, d. h. die zwei Eihäute Chorion und Amnionliegen ursprünglich unmittelbar neben den Darmschlingen. Ob es ineinzelnen seltenen Fällen so bleiben kann, bedarf noch der näherenUntersuchung. Meistens scheint sich von allen Seiten eine Abkapselunggegen das Ei hin zu bilden, wie dies gegen jeden Fremdkörper inder Bauchhöhle zu geschehen pflegt. Nun zeigt aber gelegentlich derSack, der den Fötus birgt, am Ende der Tragzeit Expulsivbestrebungen.Spiegelberg x ) bemerkt hiezu, dass der Fruchtsack in der Regel Muskel-zellen enthalte, die er nur von der subserösen Muskulatur des Beckensbeziehen könne. Dies ist nach Litzmann so zu erklären, dass dieMuskelumhüllung nichts anderes als die dilatirte Tube ist.
') Dessen Lehrbuch etc. 1878. p. 316.