324 Behandlung der Eileiterschwangerschaft.
einer Extrauteringravidität bei entsprechenden Klagen nicht ausser Achtzu lassen und zur Sicherstellung oder Ausschliessung dieser Diagnosealles aufzubieten.
Eine typische Operation kann natürlich die Entfernung eines un-geborstenen Fruchtsackes bei Tubarschwangerschaft nicht immer sein.Doch ist sie gewiss häufig genug möglich. Wir gaben in Figur 126die Abbildung eines Falles von Bandl, welche diese Möglichkeit sehrgut illustrirt. Aber auch hier war Bandl, trotzdem er der Laparo-tomie das Wort redet, durch äussere Umstände an der Ausführung ge-hindert. Ein bestimmtes Verfahren ist nicht aufzustellen — es sindnur im Allgemeinen die Grundsätze anzugeben, die darauf hinauslaufen,dass man erst den Fruchtsack allseitig freilegen, von der Bauchhöhledurch Schwämme abgrenzen, schrittweise lösen und alles li-giren soll.
Wir haben noch dreier abweichenden Verlaufsarten der Eileiter-schwangerschaft zu gedenken: 1) dass ausnahmsweise das Kind dievolle Entwicklung erreichen kann, ohne dass die Tube platzt. Dies istschon wiederholt angenommen und durch den Fall Litzmann-Werthbewiesen worden; 2) der Behandlung der geplatzten Eisäcke und derdavon entstandenen Blutgeschwülste durch den Scheidenschnitt(Elytrotomie). Wenn die Fruchthöhle so tief sitzt und so nach ab-wärts drängt, dass sie vom Becken aus leicht erreichbar scheint, sokann man ausnahmsweise von hier aus eröffnen. Noch mehr ist diesder Fall nach dem Platzen des Fruchtsackes und den daraus gebildetenHämatocelen (von C. Braun Pseudo-Hämatocelen genannt). Sehr leichtund häufiger als sonst tritt in solchem Blut Zersetzung ein. Diesezeigt sich an dem Fieber und den Erscheinungen allgemeiner Sepsis.Unter solchen Verhältnissen ist die Elytrotomie um der hohen Lebens-gefahr willen dringend indicirt. So haben wir auch bei 2 Fällen vonExtrauteringravidität gehandelt, und den Scheidenschnitt so gemacht,dass zuerst die Scheidenwand mit einem Thermocauter-Messer und nachder vollkommenen Blutstillung dieser Wunde stumpf bis auf den Sackgetrennt und dieser selbst mit einem Fistelmesser so weit eröffnetwurde, dass 2 Finger eingeführt werden können (vergl. Arch. f. Gyn.,B. 22, p. 206 ff.). Die Höhle wird nach sorgfältigem Ausräumenmittelst der Finger mit Jodoformgaze ausgefüllt. Die Operation be-reitet auf diese Weise keine Gefahr. 3) Als eine merkwürdige Aus-nahme muss man es betrachten, dass ganz selten der Fötus nach demPlatzen eines Fruchtsackes in die freie Bauchhöhle treten und trotzdemvor dem Untergang bewahrt bleiben und sich noch etwas weiter ent-wickeln konnte.
Die interstitielle Gravidität (Gr. tubo-uterina).
Das Ei sitzt innerhalb d. h. medianwärts vom Abgang des Lig.rotundum uteri. Dies ist das Erkennungszeichen. Das Ei sitzt in der-jenigen Partie der Tube, die durch die Gebärmutterwand verläuft, die