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Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
Entstehung
Seite
323
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Behandlung der Eileiterschwangerschaft. 323

Hoffentlich kommt man in Zukunft dahin, die Tubar-schwangerschaft operativ zu heilen.

Wir leben in einer Zeit, wo man durch Operationen schon ausser-ordentliches geleistet hat, und wo man unwillkürlich aus den ge-machten Errungenschaften den Muth fasst, an schwierigere Problemeheranzugehen. Zu den schwierigsten gehört gewiss die Behandlungder Tubarschwangerschaft durch die Laparotomie (vergl. das Literatur-verzeichniss).

Durch Bersten des Fruchtsackes und durch die innere Verblutungsterben fast alle von der Tubarschwangerschaft befallenen Frauen.Vom Moment des Risses, der immer heftige Symptome macht, bis zumTod sind die Stunden gezählt. Darin liegt die grosse Schwierigkeitfür den Arzt. Er hat wenig Zeit sich zu überlegen, was der Frauzugestossen ist, und bald nahen schon die Vorboten des Todes. Fünf,sieben bis zwölf Stunden dauert es bis zum Tod.

Wenn nach einer Ovariotomie die Symptome der inneren Blutungauftreten, wird jeder Operateur die Bauchhöhle wieder öffnen, das Blutentfernen und die blutende Stelle ligiren. Es sind damit schon mehr-mals Operirte vom Tod errettet worden. Warum sollte dies bei einergeborstenen Tubarschwangerschaft nicht möglich sein, wenn man zeitiggenug eingreift?

Theoretisch ist diese Forderung ganz präcis zu stellen, und derSchluss ist berechtigt und einleuchtend. In praxi bleibt sie meistensunerfüllbar. Bei den Ovariotomirten ist alles immer vorgesehen unddie Diagnose mit einem Blick gesichert. Bei einem plötzlichen Er-eigniss, wie die Berstung eines Tubarsackes, liegt in der Praxis aureaalles in einem Durcheinander und der Arzt weiss entweder nicht wasgeschehen ist, oder er hat eine Sterbende vor sich. Daran liegt es,dass Laparotomieen nach der Berstung des Fruchtsackes wenig Aus-sicht auf Erfolg bieten. Doch sind schon wiederholt solche Operationengeglückt (vergl. die Literaturangaben Lawson Tait, Frommel).J. Veit hat in neuerer Zeit 3mal nach dem Platzen operirt und eineMutter geheilt.

Man kann mit vollstem Recht sagen, dass durch die bisher üblicheBehandlung (Eisblasen auf den Leib, Narcotica, Säuren etc.) wohl keineFrau von der Ruptur einer Tubarschwangerschaft gerettet wurde, dassvielmehr diejenigen, welche am Leben blieben, dies nur dem glück-lichen Zufall zu verdanken hatten, dass keine heftige Blutung ein-trat. Ja wir wollen noch einen Schritt weiter gehen. Weil nach derRuptur die Gefahr eminent und die Frist zum Operiren äusserst kurzist, muss das Bestreben darauf gerichtet werden, den nochnicht geplatzten Fruchtsack zu entfernen.

Wir verkennen keinen Augenblick die Schwierigkeiten, mit denender Arzt zu rechnen hat. Sie liegen in der Sorglosigkeit der Leute,die einen Arzt erst zu befragen pflegen, wenn der Karren tief in denSand gefahren ist. Bei allen aufmerksamen und intelligenten Patientenist es aber eine um so dringendere Pflicht des Arztes, die Möglichkeit