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Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
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322
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322 Behandlung der Eileiterschwangerschaft.

müsse. Hat sich der Arzt mit der Besorgniss vor einer extrauterinenSchwangerschaft getäuscht, so bewirkt dieses Verfahren den Abortus,bringt aber dafür Klarheit in die Diagnose und beseitigt eine unheim-liche Befürchtung. Wir wiederholen hier den schon oben gemachtenRath, ein ärztliches Verfahren, das gegen Gesetzesvorschriften ver-stösst, nie ohne Zeugen, womöglich nur in Gegenwart und unter Bei-rath eines anderen Arztes zu unternehmen.

Dass das Sondiren nur zur Controle der bimanuellen Untersuchungin Narkose auszuführen sei, wollen wir noch besonders bemerken. DieEinwendungen hiegegen wegen des leichten Missbrauches, wegen Gefahrder Infection u. dergl. würden folgerichtig dazu führen, die Sondeüberhaupt zu verbannen. Ich bedauere, in einem noch zu erwähnendenFall die Sonde nicht in früherer Zeit der Schwangerschaft angewendetzu haben, weil ich danach die Frau in höchste Lebensgefahr ge-rathen sah.

Wird beim Sondiren der Uterus leer gefunden und damit dieDiagnose einer Extrauteringravidität sicher gestellt, so ist der Arztvor die höchst kritische Entscheidung gestellt, wie er die Krankheitbehandeln will.

Therapie. Das beste Verfahren ist, den Fötus und dasEi am Weiterwachsen zu hindern. Dazu führt die Punction desFruchtsackes mit einem Probetroicart mit recht langer Kanüle (Po-tain'scher Apparat zu empfehlen). Injectionen von reizenden Flüssig-keiten sind nicht nothwendig und um ihrer grossen Gefährlichkeitwillen ganz zu unterlassen. Dagegen hat Fried reich in neuerer Zeit(vergl. Cohnsteinim Literaturverzeichniss) durch Injection von Morph,muriat. 0,010,02 g mittels der Pravaz'schen Spritze sehr gute Re-sultate erzielt. Bei dieser Gelegenheit ist auch noch auf die anderenMittel hinzuweisen, die schon in Anwendung kamen, um den Fötuszu tödten. Von Bacchetti wurde 1853 und von Burco 1857 dieElektropunctur mit Glück ausgeführt.

Neuerdings sind mehrmals die Fötus durch den faradischenStrom zum Absterben gebracht worden. (Lovring, Landis,vergl. oben Literatur.)

Aber auch die Punction ist kein indifferentes Mittel. Mehr wieeinmal hat sie die Ruptur des Sackes in die Bauchhöhle herbeigeführtund den Tod beschleunigt. Wir sprechen hier von den Tubarschwanger-schaften speciell und müssen dazu bemerken, dass das Punctiren inden ersten 3 Monaten gar nicht sicher ist, weil man mit den Kanülenden Fruchtsack leicht verfehlt. In dieser Zeit kann man die Punctionnur von der Scheide aus machen. Fühlt man im Fornix vaginae zudieser Zeit Fluctuation, so soll man punctiren. Später, wenn das Eibis über den horizontalen Schambeinast hinaufgewachsen ist, bietet diePunction wieder mehr Gewähr. Aber man darf dieselbe nur in derersten Zeit der Entwicklung machen, in einer Zeit, wo die Fruchtnoch vollständig zerfallen und bei einem Abscessdurchbruch eliminirtwerden kann.