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Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
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321
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Extrauteringravidität. 321

Man kann sagen, dass dies die einzigen Zeichen sind, die einiger-massen darauf deuten, dass es sich um extrauterine Schwangerschafthandle, dass es aber doch wieder höchst unbestimmte Symptome sind,weil nichts häufiger vorkommt als gelegentliche Schmerzanfälle währendder Schwangerschaft.

Oft sind die Schmerzen so heftig und von einer peritonitischenReizung gefolgt, dass man an partielle Rupturen denken muss. Dochtreten Erscheinungen einer chronischen Peritonitis eigentlich nur in derMinderzahl hervor.

Die vollständige Zerreissung des Sackes ist ausser den Schmerzenmit Ohnmachtsanwandlung, grosser Prostration u. s. w. verbunden.Es ist öfters beobachtet worden, dass sehr kräftige und energischeFrauen nach dem Eintritt der Katastrophe nicht mehr von einem Stuhlaufzustehen vermochten. Einzelne fühlten, dass sich eine gewisseWärme über den Unterleib verbreite. Bald treten die Symptome derinneren Verblutung auf, elender, schwacher Puls, Beklommenheit,Gähnen, wiederholtes Erbrechen, Marmorblässe und Athemnoth, dieimmer mehr sich steigert und der Vorbote des Todes ist.

Die Diagnose stützt sich zunächst auf die Symptome derSchwangerschaft und einen im kleinen Becken befindlichen,neben dem Uterus liegenden Tumor. Selbstverständlich mussman beim geringsten Verdacht an die vorliegende Abnormität denken,überhaupt bei jeder besonderen Klage einer Schwangeren unbedingtauf sofortige Untersuchung dringen. Dabei kommen die objectivenGraviditätssymptome in Betracht: die Brüste (Schwellung und Pigmen-tation des Warzenhofes), das Abdomen (Färbung der Linea alba, Auf-treibung, Lage des Tumors, Beweglichkeit). Bei der inneren Unter-suchung hat man auf die weinhefenartige Färbung der Scheidenschleim-haut, die Lage, Grösse und Beweglichkeit des Uterus zu achten. Demgeübten Arzt muss der Tumor neben dem Uterus auffallen.Häufig ist die Betastung schmerzhaft. Die Anschwellung, die einemextrauterinen Fruchtsack entspricht, ist in der Regel unbeweglich. Nurrelativ selten ist in der Literatur Fluctuation und Undulationsgefühlverzeichnet. Der Uterus verändert auch hier wie bei allen Arten derExtrauteringravidität seine Form und Grösse. Er erreicht ungefährdas Volumen eines schwangeren Uterus vom 3. bis 4. Monat, seineSchleimhaut wächst zu einer Decidua aus, aber wiederum zu keinervollständigen. Auch hier bleibt die Entwicklung auf einem Stadiumstehen, das ungefähr dem 3. Monat entspricht.

Hat man neben den Symptomen einer Schwangerschaft einenTumor neben dem Uterus, aber kein Fieber, also kein entzündlichesExsudat, so ist dieser Befund sehr suspect auf Extrauteringravidität.

Es bildet nun diese eine so colossale Lebensgefahr für die be-troffene Frau, dass man Alles aufbieten muss, die sichere Diagnosevor der Katastrophe zu stellen. Wir meinen, dass aus diesemGrunde in dubio die Uterussonde zur Anwendung kommen

Zweifel, Geburtshülfe. 2. Aufl. 21