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Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
Entstehung
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314
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314 Hydrorrhoea gravidarum!

Ausser durch bindegewebige Hyperplasie kann sich die Entzün-dung an der Decidua geltend machen durch Hypersecretion. DieSecrete entleeren sich zwischen Decidua vera und reflexa, oder unterDurchbrechen der letzteren (Hydrorrhoea gravidarum).

Die Schwangere verliert dabei in den früheren Monaten von Zeitzu Zeit einen wässerigen Ausfluss. Es hat das Abgehende meist Aehn-lichkeit mit dem Fruchtwasser oder dem Serum. Fruchtwasser kannes aber nicht sein, wenn die Schwangerschaft ohne Unterbrechungbleibt. Meistens wird das normale Ende erreicht und ein gesundesKind geboren.

Die Therapie ist hiegegen machtlos. Man wird alles thun, wasCongestionen zur Gebärmutter vermeidet, man wird für regelmässigeEntleerungen sorgen und grösste Ruhe beobachten lassen. In einemeigenen Fall haben alle Versuche nichts gebessert; die Frau kam zurrechten Zeit und mit einem gesunden Kind nieder und ist wieder ge-sund geworden.

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Entzündungen der Scheide.

Schon bei dem gewöhnlichen Verlauf der Schwangerschaft schwilltdie Scheidenschleimhaut stark an. Ihre blaue Farbe zeugt vom Blut-reichthum und macht eine vermehrte Absonderung erklärlich. Dochbleibt diese Secretion bei sonstiger Gesundheit innerhalb massigerGrenzen, und die Mehrzahl der Gravidae in den Entbindungsanstaltenzeigt trotz ihres oft stark bewegten Vorlebens keine besondere Ab-sonderung.

Sehr häufig schwillt jedoch nicht die Schleimhaut allein und alleihre Theile gleichmässig, sondern es treten die Papillen der Scheiden-schleimhaut stärker hervor (Papillarhypertrophie). Man hat früherdieser Erscheinung einen rein symptomatischen Namen beigelegt, manbezeichnete sie als Vaginitis oder Kolpitis granulosa. In derThat fühlt der touchirende Finger an der Oberfläche der Scheide undmeist an den höheren Partieen der Schleimhaut eine Masse von ein-gestreuten Körnern. Die Schleimhaut hat ganz das Gefühl eines Reib-eisens angenommen. Eine Entzündung nahm man an, und da es sichnur um eine katarrhalische handeln konnte, so war es auch nichtschwer, die Symptome dafür zusammenzufinden.

Die mikroskopische Untersuchung hat die Erscheinung dieserKörner erklärt. Es handelt sich nur um stark hypertrophirtePapillen.

Ob man berechtigt sei, daraus einen Schluss auf Gonorrhoe zuziehen, oder nicht, wird sich durch exacte Untersuchungen feststellenlassen. Zwischen der Papillarhypertrophie und den spitzen Condylomensind oft an einer Person alle Uebergäuge zu constatiren. Die letzterengelten allgemein als Zeichen von Gonorrhoe. Bei der Papillarhyper-trophie, aber auch bei Anwesenheit von spitzen Condylomen auf derSchleimhaut besteht nicht einmal ein besonders starker Ausfluss.