Endometritis decidua polyposa. 313
breitet, sondern stellenweise beschränkt, aber dann häufig an diesenStellen stärker entwickelt.
Virchow beschreibt eine Form als Endometritis deciduatuberosa oder polyposa, wobei bis zu 1 cm und 2 cm hohe buckeligeund polypöse Auswüchse der Decidua vera vorkommen. Mikroskopischstellt sich das Gewucherte als das interstitielle Gewebe der Deciduaheraus. Die Erkrankung ist als Fortsetzung einer schon früher be-standenen Endometritis zu betrachten. Die Aetiologie ist nicht ganzklar. In vielen Fällen ist die Virchow'sche Ansicht gewiss richtig,dass Syphilis die Ursache sei. In dieser Hinsicht bedürften vieleMittheilungen der Literatur eine genauere Angabe bezüglich der Syphilis.
Nur bei geringer Ausdehnung lässt die Entzündung den Verlaufder Schwangerschaft unbehelligt. Bei stärkerer Ausbildung erfolgtUnterbrechung im 2. bis 4. Monat.
Wegen der Unterbrechung der Schwangerschaft ist die Endo-metritis decidualis eine bedeutungsvolle Erkrankung. Sie führt nach
Fig. 123.
Endometritis decidua polyposa (Lewy).
Schröder, auch wo sie nicht auf syphilitischer Grundlage beruht, zuhabituellem Absterben der Frucht (vergl. Maslowsky und J. Veit).Eine Behandlung während der Gravidität-ist kaum möglich, weil manauf den Wucherungsprocess keinen Einfluss gewinnen kann. Dagegenberichten Schröder und J.Veit von 6 Fällen, in denen Patientinnenfrüher macei - irte Früchte ausgestossen hatten und auf Ausschaben derSchleimhaut und nachfolgende Einspritzung mit Tinct. jodi gesundeKinder gebaren.
Besondere Bedeutung hat die Entzündung an der Decidua inser-tionis sive serotina. Das neue Bindegewebe, welches zwischen denCotyledonen der Placenta wuchert, kann zu Verengerung der dazwischen-liegenden mütterlichen Gefässe führen und Verödung und Verfettungvon Placentarabschnitten veranlassen. Durch collaterale Hyperämiensoll es dann zu Hyperämien in die Decidua und zu Blutergüssen aufder fötalen Fläche des Kuchens kommen (Schröder). Sehr stark sinddiese Wucherungen ausgebildet bei der Syphilis.