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Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
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310
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310 Behandlung der Retroflexio uteri gravidi incareerata.

inf'icirten Troicartkanülen. Die Punction kann zweckmässig mit demPotain'schen Aspirator oder anderen Apparaten geschehen, welchesicheren Schutz gegen Luftzutritt gewähren, wenn der Urin nicht schonstark zersetzt und flockig ist. Die Punctionsstelle wähle man nachSpiegelberg ca. 8 cm über der Schamfuge. Unmittelbar nach derBlasenentleerung, aber auch erst nach derselben wird die Repo-sition der Gebärmutter ausgeführt. Auch diese gelingt meist aufeinen massigen Druck mit der Hand. Die Druckrichtung darf nichtdirect nach aufwärts gehen, weil das grosse Corpus uteri schwer unterdem Vorberg zurückzubringen ist. Man dränge mehr nach einerSymphysis sacroiliaca hin und lasse zur erfolgreicheren Verwendungdes Druckes die Frau Knieellenbogen- oder Seitenlage einnehmen. Nurausnahmsweise braucht man zur Reposition die Chloroformnarcose.Jeden reponirten Uterus stützt man, wenn er Neigung zum Wieder-umfallen zeigt, durch passende Scheidenpessarien.

Erst wenn diese Repositionsbestrebungen erfolglos waren, liegtdie Notwendigkeit vor, durch Entleerung des Uterus dessen Volumenzu reduciren, um mit der Aufrichtung Erfolg zu haben. Darauf kannman rechnen nach dem Abfluss des Fruchtwassers. Der erste Versuchmuss durch den Muttermund 'mittelst der Sonde gewagt werden, ob-schon dieser Weg häufig schwierig ist.

Es ergibt die bisherige Darstellung, dass man vieles versucht undvieles nutzlos gefunden haben muss, ehe man zur Einleitung des Abortusschreiten darf. Aber wenn es anders nicht möglich ist, so ist es nochrichtiger, das extremste Mittel, nämlich die Punction desUterus vom hinteren Scheidengewölbe aus zu machen, als durchlängere Urinverhaltung eine ßlasengangrän zu verschulden. So ge-fährlich ist schliesslich das Anstechen der Gebärmutter nicht, wennman desinficirte Durchstichhülsen nimmt; das beweisen viele günstigabgelaufene Fälle (2. Fall Schatz u. a.). Natürlich kommt es da-durch zum Abgang.

In einem Falle musste Olshausen 1 ) wegen einer Retroflexiouteri gravidi incareerata von 2^2 Monaten bei osteomalacischem Beckendie Totalexstirpation per vaginam machen. Es war gleicherweise un-möglich, den Uterus zu reponiren oder durch Punction vom Scheiden-gewölbe aus den Abortus einzuleiten. Die Operation war unschwer;die Kranke genas glatt.

Nach der Ausstossung der Frucht und der Nachgeburt macht dieZurücklagerung der Gebärmutter oft noch Mühe. Das Organ scheintsich durch die Compression förmlich an die Lage zu gewöhnen. Mehrwie einmal genügten Scheidenpessarien nicht und musste selbstdie directe Hebelung durch Intrauterinstäbchen nachfolgen, ehe dienormale Lage im Verlauf des Wochenbettes wieder beständig wurde.Bei irreponibeln Flexionen ist dies begreiflicher Weise gar nicht zuerreichen.

: ) Benckiser: C. f. G. 1887. S. 824.