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Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
Entstehung
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311
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Die partielle Retroflexio uteri gravidi. 311

Auch die Blase erholt sich oft nur langsam von der übermässigenAusdehnung und macht in vielen Fällen auf lange Zeit eine regel-mässige künstliche Entleerung nothwendig.

Bei der partiellen Retroflexio uteri gravidi wächst dasKind unter Ausbuchtung der oberen gegen die Bauchhöhle gerichtetenUteruswand aus. Die Incarcerationserscheinungen können dabei nochfortbestehen, sich später wieder geltend machen, haben oder behaltenaber nicht die Intensität wie bei totaler Retroflexio uteri gravidi. Oftkommt es dabei noch in der zweiten Hälfte der Schwangerschaft zurUnterbrechung.

Doch kann die Gravidität auch das Ende erreichen. Unter denWehen wird durch die Retraction des unteren Uterusabschnittes meistensvon selbst die Lageveränderung gebessert.

Die Diagnose ist durch genaues Betasten stets möglich. DieBehandlung ist im Wesentlichen exspectativ und beschränkt sich aufmilde Repositionsversuche.

Inhaltsübersicht.

1) Der vollständige Vorfall einer schwangeren Gebärmutter, so dassdie Gravidität im Vorfall bis zu Ende verlief, ist bis jetzt nicht beob-achtet. Es tritt voran der Abortus ein. Scheidenvorfälle sind sehr häufigund stark belästigend.

2) Anteversionen (Hängehauch) haben keine grosse Bedeutung.

3) In Hernien der Gebärmutter kann die Schwangerschaft ziemlichlange verlaufen. Es muss entweder der künstliche Abortus oder dieHysterotomie innerhalb des Bruchsackes ausgeführt iverden.

4) Die Betroversio und Betroflexio uteri ist eine häufige Ursachedes Abortus. Wahrscheinlich bilden jedoch diejenigen Fälle die Mehrzahl,in denen eine spontane Aufrichtung Platz greift.

5) Erfolgt kein spontanes Emporsteigen, so kommt es unfehlbar zurIncarceratio uteri gravidi retroflexi, deren unfehlbares Zeicheneine Ischuria paradoxa ist.

6) Bei der eingeklemmten Betroflexio uteri gravidi muss zuerst dieüberfüllte Harnblase entleert und dann die Gebärmutter aufgerichtet werden.

7) Weitere Eingriffe, wie Einleitung des Abortus oder Functiondes Uterus, dürfen nur ausgeführt iverden nach Aufrichtungsversuchen,die selbst in der Chloroformnarcose erfolglos blieben.

C. Die Entzündungserscheinungen an der schwangeren Gebärmutter.

Literatur.

Endometritis decidua chronica.

Müller, H.: Bau der Molen. Würzburg. 1847. p. 80. Hegar: M. f. G.

Bd. 21. Suppl. p. 12. Hegar u. Maier: Virch. Arch. 1871. Bd. 52. p. 166170.

Klebs: M. f. G. Bd. 27. p. 401. Duncan, M.: Res. in Obstetr. p. 290. Frau

Kaschewarowa: Virch. Arch. Bd. 44. p. 103. Virchow: Virch. Arch. 1861.