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Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
Entstehung
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299
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Die Missbildungen der Genitalien in ihrer Bedeutung zur Schwangerschaft. 299

Eine Geburt ist auch von F. Benicke bei einer solchen Störungbeobachtet worden. Im linken Vaginalgewölbe war bei vollständigeröffnetem Muttermund der Kopf zu fühlen, im rechten eine gelockertePortio mit geschlossener Oeffnung.

Dass dergleichen auch schon früher vorkam, weiss man aus einem Fall,der beinahe 2 Geburtshelfer (Franz Anton Mai, Verfasser des Holpertus, undProf. Fischer in Heidelberg) in Streit gebracht hätte. Dereine hatte den Mutter-mund offen, der andere vollständig geschlossen gefunden. Eine nähere Besich-tigung lehrte, dass Jeder mit dem Finger in einer anderen Scheide gewesen war.

Fig. 118.

Uterus bilooularis in puerperio (nacli Cruveilhier). a Der stärker entwickelte Becken-Looulus.b Die schwächer entwickelte rechte Seite, c Oriflcia externa-, d Vagina, ee Eileiter, ff Eierstöcke.

Wenn auch die beiden Theile der Gebärmutter organisch eineVollkommene Selbständigkeit haben, so ist es doch unzweifelhaft, dassbeide Hälften bei einer Schwangerschaft am Wachsthum und der Auf-lockerung sich betheiligen. Dies ist in einigen Fällen direct nachge-wiesen worden.

Uterus biloculatus oder bilocularis, zweikammerige Gebärmuttergenannt, ist eine Verdoppelung, bei welcher die beiden Müller'schenGänge in der ganzen Länge zur Verwachsung gekommen sind, die-selben äusserlich ein Organ darstellen, aber innen durch ein Septumgeschieden sind. Je nach der Länge des Septums, je nachdem das-selbe von oben her mehr oder weniger weit herunter ragt, heisst dieseMissbildung auch Uterus duplex septus, Uterus subseptus u. s. w.