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Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
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296
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296 Die Missbildungen der Genitalien in ihrer Bedeutung zur Schwangerschaft.

Inhaltsübersicht.

Die Nephritis gibt eine Dispositon zu Eklampsie und zu Blutungenin die Decidua. Die letzteren bedingen den Tod des Kindes, vorzeitigeLösungen der Placenta, Frühgeburten.

Die Erkrankungen der Sexualorgane.

A. Die Gefahren und Störungen einer Schwangerschaft durch

Misshildungen.

Literatur.

Kussmaul: Von dem Mangel, der Verkümmerung und Verdoppelung derGebärmutter. Würzburg 1859. - Virchow: M. f. G. 1860. Bd. XV. p. 176.Fürst: M. f. G. Bd. 30. p. 127 u. 161. Ausgedehnte Literaturangaben. SchätztA. f. G. Bd. IL p. 289. Köberle: Gaz. hebd., Gaz. medicale de Strasbourg. 1866.Nr. 34. Turner: Edinb. med. J. May 1866. p. 974. - Moldenhauer: A. f.G. Bd. VII. p. 175. Litzmann-Werth: A. f. G. Bd. XVII. p. 281. - Salin,M.:Hygiea 1881. Kaiserschnitt nach Porro, Uterus duplex. Kucher: Wien. med.Presse. 1879. Nr. 31. - Benicke: Z. f. G. u. G. Bd. Lp. 366. Rüge, P.: Z.f. G. u. G. Bd. IL p. 27. Bd. X. p. 141. Ollivier, A.: Gaz. de Paris. Bd. XIV.1872. ref. Schmidt's Jahrb. 1873. Bd. 158. Kaltenbach: Demonstration einesUterus unicornis mit geplatztem gravid. Nebenhorn. üeberwanderung des Samens.A. f. G. Bd. 22. Heft. 1. Wiener: A. f. G. Bd. 26. p. 234. 1885. .

Zunächst fallen alle Missbildungen ausser Betracht, bei denenum der fehlerhaften Entwicklung willen eine Conception gar nichterfolgen kann: also alle Atresien und die vollkommene Verkümmerung.

Berücksichtigung erfordern nur die verschiedenartigen Verdoppe-lungen des Genitalkanales.

Wir müssen als bekannt voraussetzen, dass sich die menschlicheGebärmutter aus der Vereinigung zweier hohler Kanäle, der sogenann-ten Müller'schen Gänge entwickelt. Nach oben hin bleiben die be-treffenden Gänge unvereinigt und werden die Eileiter die TubaeFallopiae. Die Kanäle bilden in ihrer normalen Vereinigung Scheideund Gebärmutter. Nun sind aber die Wände der beiden Organe ganzungleichartig. Es muss also eine Differenzirung der vereinigtenMüller'schen Gänge eintreten und von der Stelle der Differenzirungaus also von der Gegend des äusseren Muttermundes aus schreitetdie Verschmelzung nach oben und nach unten fort. Bei den Ver-doppelungen der Gebärmutter resp. partiell oder ganz getrennt ge-bliebenen Höhlen sieht man häufig in der Scheide noch eine von vornnach hinten laufende Gewebsbrücke. Nicht so sehr um ihrer klinischenals um ihrer diagnostischen Bedeutung willen sind solche Gewebsleistenbemerkenswerth. Man hat dann allen Anlass, nach oben Septa zu ver-muthen und nach solchen zu suchen.

Die uns hier beschäftigenden Entwicklungsfehler hängen ab voneiner mangelhaften Verschmelzung der beiden Kanäle (Müller'schenGänge) und eventuell einem Zurückbleiben des einen oder anderen Kanales.