294 Icterus Gravidarum.
Schuld gehabt habe an dem schlimmen Verlauf, z. B. die Stauungvermehrte und durch die Gallensäuren die rapide Auflösung der Blut-körperchen mit Zerstörung und Zerfall der Leberzellen einleitete (Ley-den's Erklärung), oder ob es sich in diesen Fällen um eine acutesteSepsis gehandelt habe, kann zur Zeit nicht entschieden werden. Sicherist es, dass die erst bei der Geburt oder gar im Wochenbett auf-tretende Gelbsucht weit eher die Theilerscheinung einer septischen In-fection ist. (Dies ist sicher die zutreffende Erklärung im Fall Dupre,den Verfasser zu beobachten Gelegenheit hatte.)
Die Kinder kommen sehr häufig todt zur Welt, aber nicht icterisch(in 62 Fällen 56mal icterisch, unter 57 Fällen 45mal todt. Lomer).Doch sind von Valenta die Gallensäuren im Blut eines nicht icterischenKindes nachgewiesen worden.
Die Verwechselung mit Phosphorvergiftung ist anatomisch zu tren-nen, wenn es toxicologisch unmöglich sein sollte.
Man wird danach die Prognose bei einem Icterus inter gravi-ditatem stets unbestimmt stellen müssen. Die Behandlung ist die ge-wöhnliche.
Die Nephritis in der Schwangerschaft.
Literatur.
Hofmeier: Z. f. G. u. G. Bd. III. p. 259. — Möricke: Ibid. Bd. V. p. 1. -Ingerslev: Ibid. Bd. VI. p. 171. — Leyden: Zeitschr. f. Hin. Med. Bd. ILHeft 1 und Deutsche med. Wochenschr. 1886. Nr. 9. — Hiller: Zeitschr. f. klin.Med. Bd. IL Heft 3. — Plaischlen: Z. f. G. u. G. Bd. VIII. p. 354. — Southey:Lancet. 13. Jan. 1883. - Felsenreich: Wien. med. Bl. 1883. Nr. 29. u. 30. -Pehling: A. f. G. Bd. 27. p. 301. — Winter: Z. f. G. u. G. Bd. XL p. 398. —Wiedow: Z. f. G. u. G. Bd. 14. p. 387. — E. Cohn: ibid. p. 500.
Es ist begreiflich, dass zu einer bestehenden Nephritis Schwanger-schaft hinzukommen kann; denn die Nierenentzündung hat keine Be-ziehungen, welche Befruchtungsunfähigkeit bedingen könnten. Dochdarum handelt es sich gewöhnlich nicht.
Die Nephritis als Complication von Schwangerschaft hat in demletzten Jahrzehnt die Fachmänner vielfach interessirt. Es tritt währendder Gravidität häufig Eiweiss im Urin auf und kommen nicht seltenHyalin-Cylinder und fettig entartete Nieren-Epithelien dazu. Dies mussman nach den heute gültigen Grundsätzen als Zeichen einer Nieren-entzündung gelten lassen: Albuminurie allein noch nicht, aber Eiweiss-ausscheidung und Cylinder. Diese Erkrankungen bedingen Oedeme,spärliche Urinabsonderung, kurzum Erscheinungen, welche wiederumdie Auffassung einer echten Nierenentzündung bestärken.
Das auffallende und abweichende der sogenannten Schwanger-schaftsnephritis besteht in dem raschen Nachlass aller Symptomenach der Geburt. Eiweiss und Cylinder sind zunächst in dem erst ge-lassenen Urin post partum sehr vermehrt; dann hört die Ausscheidungin einigen Tagen vollkommen auf und alle Erscheinungen gehen zurück.