Die Latenz der Gonorrhoe. 293
Die Virulenz hält sich also sehr lange, selbst da wo keine Symptome mehrexistiren. Etwas Seeret ist in der Vagina physiologisch. Diese Erfahrung unddie vonNeisser in der letzten Naturforscherversammlung vorgetragenen Resultate„von der Ansteckungsfähigkeit der chronischen Gonorrhoe" bestätigen zum grossenTheil die von Nöggerath vor mehr als 10 Jahren ausgesprochenen Vermuthungen,dass die Gonorrhoe viel schwerer heilbar und viel bedeutungsvoller besonders fürdas weibliche Geschlecht sei, als man bis dahin angenommen hatte. Neisserprüfte die Secrete des chronischen Trippers auf das Vorhandensein von Gonococcendurch Impfung auf Blutserum und fand in mehr als der Hälfte der Fälle nochGonococcen vor. Er gab als practisch wichtiges Resultat an, dass selbst beigonococcenhaltiger, chronischer Gonorrhoe die Ansteckung nicht in jedem Fallgeschehen müsse. Für die Ehe freilich kann der weibliche Theil der Ansteckungbei Vorhandensein von Gonococcen nicht entgehen, mögen dieselben noch so spär-lich und noch so selten im Secret vorhanden sein. Unter den Erkrankten waren45 älter als 2 Jahre seit der acuten Entzündung und 20 davon zeigten nochGonococcen im Secret der Harnröhre.
Es bleiben zur Berücksichtigung unter den zufällig die Schwanger-schaft complicirenden Krankheiten noch übrig Icterus und Nieren-krankheiten.
Inhaltsübersicht.
1) Die Gonorrhoe ist eine sehr häufige Ursache der Unfruchtbarkeitbei beiden Geschlechtern.
2) Wahrend der Schwangerschaft entstehen durch das gonorrhoischeVirus Kolpitis granulosa und spitze Condylome.
3) Die Gonorrhoe kann auch latent sein und in den Augen desNeugeborenen eine Ophthalmoblennorrlioea verursachen. Desswegen sindsoivohl prophylactische Scheidenausspülungen als die Einträufelung von Arg.nitr. 2°/o in den Bindehautsack angezeigt.
Icterus Gravidarum (Icterus gravis).
Literatur.
Davidsohn: M. f. G. Bd. 30. p. 452. — Valenta: Med. Jahrb. als Beilagez. Wochenbl. d. Gesellsch. d. Aerzte in Wien. 18.- Heft. Bd. VI. 1869. — Dupre:Ueber Icterus gravis Diss. Strassburg 1873. — Conrad: Pester med. chirurg.Presse. Bd. XII. Nr. 48—50. - Weber: Petersb. med. Wochenschr. 1878. Nr. 36. —Duncan: Med. Times. Bd. I. 1879. p. 57. —Lomer: Z. f. G. u. G. Bd. XIII. p. 169.
Der Icterus hat erfahrungsgemäss bei Schwangeren schon ofteinen überraschend schlechten Verlauf genommen. Es sind zahlreicheFälle in der Literatur verzeichnet, wo während einer normalen Gravi-dität ein Icterus der harmlosesten Form einsetzte, ein Icterus, der alleZeichen eines Stauungsicterus an sich trug, dann unerwartet eine übleWendung nahm und mit dem Tod endigte (Icterus gravis). Die Leichen-befunde entsprechen relativ oft dem von Rokitansky aufgestelltenBilde der acuten gelben Leberatrophie. (Bei Frerichs unter 31 Fällen11 mal Schwangere.)
Ob man nun annehmen soll, dass die Schwangerschaft als solche