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Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
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292
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292 ^ie Gonorrhoe.

p. 20. 29 u. ff. u. 1882. p. 54 u. ff. Zweifel: Zur Aetiolog. der Ophthalraoblenn.der Neugeb. A. f. G. Bd. 22. p. 318. Bumm: Zur Kenntniss der Gonorrhoe derweiblichen Genitalien. A. f. G. Bd. 23. p. 328 und der Microorganismus der gonor-rhoischen Schleimhauterkrankungen. Wiesbaden 1885. Siehe hier die weitere Lite-ratur. Neisser: Tagebl. d. Naturforschervers, zu Strassburg. 1885. p. 164 u. 165.

Die Gonorrhoe gewinnt mehr Bedeutung als man ihr früher zu-geschrieben hatte, allerdings die grösste Bedeutung für die Fort-pflanzung, indem sie sowohl Mann als Frau steril machen kann, jenendurch Erkrankung der Samenleiter und Nebenhoden, diese durch Ent-zündungen, Verwachsungen u. s. w. der Eileiter. "Während der Gravi-dität werden die schon bestehenden Catarrhe ausserordentlich verschärft,und kommen unter dem Einfluss des Tripper virus die Papillarhyper-trophie oder Kolpitis granulosa oder spitze Condylome hinzu.Oft genug entstehen aber diese Veränderungen auch ohne besondersvermehrte Absonderung. Für die Schwangeren bedingt dies keineVerschlechterung der Prognose, vorausgesetzt dass nicht unter demEinfluss der Gonorrhoe Veränderungen in der Bauchhöhle vorgekom-men sind.

Die Behandlung hat am meisten Erfolg, wenn die Vaginalschleim-haut im Röhrenspeculum eingestellt und durch Eingiessen von 2°/oigerbis 4°/oiger Arg. nitr.-Lösung in all ihren Falten geätzt wird. Manerreicht damit meistens in kurzer Zeit Nachlass der Hypersecretion derScheide. Die spitzen Condylome werden, soweit sie isolirt stehen, weg-geätzt mit Arg. nitr., Chromsäure 1:8, Chlorzink und ähnlichem oderabgeschnitten und der Grund mit Lapis infernalis gebeizt.

Von der Solutio Plenckii sind wir zurückgekommen.

Grosse Convolute von spitzen Condylomen an den äusseren Geni-talien sind keine unbedeutende Complication der Geburt und ist mitallen Mitteln auf deren Beseitigung ante partum hinzuwirken.

Die gonorrhoische Scheidenentzündung macht im Ganzen genommen währendder Schwangerschaft wenig Symptome. Ob dieselbe übergehen kann auf dieDecidua, muss dahin gestellt bleiben. Bemerkenswerth ist es aber, dass dieseKrankheit lange Zeit, Jahre lang symptomlos bleiben und doch noch weiter In-fectionen machen kann. Es ist nun einmal üblich einen solchen Zustand einerKrankheit Latenz zu nennen. Wenn auch dagegen die Bemerkung gemacht wurde,dass die Latenz für denjenigen nicht bestehe, der den mikroskopischen Nachweisder Gonococcen führe, so ändert dies nichts an dem obigen Begriff. Die Latenzder Gonorrhoe muss auch in dem Fall angenommen werden, wo z. B. von einemFrauenzimmer ein Tripper acquirirt wurde, sofern die Trägerin des Giftes selbstkeine Symptome spürt und keine anderen objectiven bietet, als die Ansteckungs-fähigkeit. Ueber diese Frage sind in hiesiger lüinik experimentelle Erfahrungengesammelt worden. Es wurde einmal 1 Tropfen Lochialsecret von einer schein-bar vollkommen gesunden Puerpera einem gesunden Kinde im Alter von einigenTagen in den Conjunctivalsack eingebracht. Das Kind bekam eine exquisit viru- :lente Blennorrhoe, von der es bald genas. Der Nachweis von Gonococcen gelangaufs bestimmteste. Ich vermochte aber nicht an die Verallgemeinerung des darausresultirenden Schlusses zu glauben, dass die Gonococcen ubiquistisch und dasLochialsecret der günstige Nährboden sei, in dem sie Wurzel fassen und gutgedeihen könnten. Diese Scepsis war berechtigt, denn weitere Impfungen mit :Lochialsecret von ganz gesunden Müttern resp. Eltern machte bei den Impflingennicht die geringste Reaction im Bindehautsack.