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Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
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291
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Die Tuberkulose. 291

6) Gesunde Ammen können durch das Stillen syphilitischer Kindervon den letzteren angesteckt iverden.

7) Die syphilitischen Erkrankungen des Fötus kennzeichnen sichbesonders durch Vergrösserung der Milz, Vergrösserung und Indurationverschiedener drüsiger Organe, durch Gummata und durch die Osteochon-dritis syphilitica.

8) Ein Merkmal von ganz besonderer Bedeutung, weil es auch fürlebende Kinder die Diagnostik der Syphilis ermöglicht, sind die syphili-tischen Veränderungen der Chorionzotten und der Decidua.

9) Die Behandlung der Syphilis, so weit sie Eltern betrifft, ist einepräventive. Syphilitische Kinder werden in Sublimatlösung gebadet undmit grauer Salbe eingerieben. Die Prognose für dieselben ist nicht günstig.

Die Tuberkulose. J )

Ueber die Vererbung dieser Krankheit lässt sich heute noch nichtsbestimmtes sagen, Koch hat die Möglichkeit des Ueberganges vonder Mutter zur Frucht verneint. Doch ist es sicher, dass die Perlsuchtder Thiere in einzelnen 2 ) Fällen intrauterin übertragen wird. Es istder von R. Koch erbrachte Beweis, dass der Tuberkulose ein specifi-scher Infectionskeim zu Grunde liege, noch zu jungen Datums.

Der Einfluss der Krankheit auf die Mütter ist im Allge-meinen ein ungünstiger. Die frühere Annahme, dass Gravidae eineImmunität gegen Tuberkulose hätten, war durchaus irrig, aber dasGegentheil zutreffend, dass Tuberkulöse weniger oder nicht mehrschwanger werden. Das kann aber an ganz anderen Verhältnissenliegen, als gerade an der Tuberkulose. Man kann selbst den Satznicht als erwiesen gelten lassen, dass Phthisische während der Gravi-dität, wo doch eine Blutzünahme und grössere Körperfülle eintritt, sichbesser fühlen. Das Wochenbett andererseits verschlimmert erst rechtdie Abzehrung.

Tuberkulöse sollen nicht stillen. Rathsam ist es auch, wennman gefragt wird, sich gegen die Verheirathung phthisischer Mädchenauszusprechen. Sie können ehelos häufig in relativem Wohlbefindenweiter leben, während ihnen die Ehe eine grosse Ge'fahr bringt.

Die Gonorrhoe.

Literatur.

Nöggerath, E.: Die latente Gonorrhoe beim weiblichen Geschlecht. Bonn1872. p. 46. Schirmer: C. f. G. 1862. p. 260. Sattler: Sitzungsberichte derXIII. u. XIV. Versammlung der ophthalmologischen Gesellschaft. Heidelberg 1881.

*) In Beziehung auf den Uebergang von Müzbrand und Tuberkelbacillenvgl. Jani Virch. Arch. Bd. 103. H. 3 und M. Wolff ebend. Bd. 105. H. 1.Birch-Hirschfeld: Naturf.-Versamml. zu Köln 1888.

2 ) Hertwig: Adams "Wochenschr. f. Thierhlkd. und Viehz. 1885. Nr. 7 undJohne: Fortschritte der Medicin. 1885. p. 198.