288 ßi e syphilitischen Erkrankungen des Eies.
und seitdem wiederholt von Waldeyer und Köbner, Heubner,Stilling u. A. bestätigten Befunde an den Epiphysen der Knochen.Wegner hat den Krankheitsprocess direct als Osteochondritissyphilitica bezeichnet und Stilling die Auffassung als Entzündungdurchaus bestätigt. Da dies ein sehr häufig, fast regelmässig vor-kommender Befund bei hereditärer Syphilis ist, so hat er für die Aerztedie grösste Bedeutung. Wegner beschreibt den Process folgender-massen: „Angeregt durch den syphilitischen Reiz stellt sich in mehroder weniger sämmtlichen Röhrenknochen in den tiefsten Lagen desEpiphysenknorpels eine das physiologische Maass überschreitende Wuche-rung der Knorpelzellen ein, während gleichzeitig die Umwandlung derverkalkten Knorpelsubstanz in Knochen retardirt wird." Die Meinungüber den weiteren Verlauf der Erkrankung geht nun etwas aus einander.Während Stilling im wesentlichen alle Angaben Wegner's bestätigte,können wir als das Resume der Arbeiten erwähnen, dass sich einGranulationsgewebe im Knorpel bildet, darunter mangelhafte Gefäss-bildung und Ernährung, Absterben eines begrenzten Gebietes und Ex-foliativbestrebungen des mortificirten Stückes und Eiterung (Wegnerund Birch-Hirschfeld).
Das makroskopische Bild besteht namentlich in einer grossenUnregelmässigkeit der Verknöcherungslinie und in Locke-rung und Ablösung der Epiphysen. (Siehe Farbendrucktafel III.)
Ebenso interessant und bedeutungsvoll sind die
Syphilitischen Veränderungen der Chorionzotften.
Die Placenten waren schon früher durch makroskopische Ver-änderungen aufgefallen, die wesentliche Entdeckung darüber haben wiraber E. Fränkel zu verdanken. Schon oben wies ich darauf hin, dassfrühere Autoren einen auffallenden Contrast zwischen Entwicklung derFrucht und Grösse der Placenta fanden: elende, greisenhaft aussehendeFötus, dabei grosse schwere Placenta. Kleinwächter fand in allenvon ihm untersuchten Placenten Bindegewebsknoten. Ercolani hattedenselben Befund, den E. Fränkel mit Recht als Product der Syphilisbeschrieb, zwar schon gesehen, aber nicht als constant syphilitisch er-kannt. Die charakteristischen Zeichen für die syphilitische Erkrankungder Chorionzotten ist die Erfüllung des Zottenraumes durch eine vonden Gefässen ausgehende Wucherung zahlreicher, mittelgrosser Zellen,complicirt durch eine Proliferation des die Zotten überziehenden Epithel-mantels. Bei den höheren Graden dieser Wucherung des zelligenZotteninhaltes folgt Gefässobliteration und endlich völlige Verödungder Zotten. Der Process ist eine deformirende Granulations-zellenwucherung der Placentarzotten (E. Fränkel). Die Re-sultate der Fränkel'schen Arbeit erklären vollkommen den intrauterinenTod des syphilitischen Fötus.
Ausser dieser Erkrankung in der Placenta foetalis wiesen Vir chow,Slavjansky, Kleinwächter und E. Fränkel noch eine Endo-