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Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
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286 Die syphilitischen Erkrankungen des Fötus.

Amme rückhaltslos auf die Bedeutung und Gefahr aufmerksam ge-macht werden, wonach sich wohl keine vernünftige Person mehr dazuhergeben wird.

Eine Infection des Kindes beim Durchgang durch die Geburts-wege ist jedenfalls höchst selten. Einen Fall berichtet Weil (DeutscheZeitschr. f. pract. Med. 1877. Nr. 42).

Die syphilitische Gravida zeigt im Allgemeinen keine Besonder-heiten in den Symptomen der Lues. Mehrmals erschien es mir, dassselbst bei eingetretener Latenz und nachdem laut Angaben der Be-treffenden in Jahren keine Erscheinungen wiedergekehrt waren, beineuer Gravidität breite Condylome wieder erschienen.

Die syphilitischen Erkrankungen des Fötus.

Wir wollen bei dieser so schwer, zu ergründenden Krankheit diediagnostisch einfachsten Veränderungen zuerst berücksichtigen. Dergewöhnliche Verlauf bei bald nach der Infection verheiratheten und imAnfang der Ehe mit Syphilis angesteckten Frauen ist, dass sie so baldwie andere schwanger werden, aber einmal abortiren, dass nächste Malein macerirtes Kind zur Welt bringen. Selbst in Fällen, wo durchdie Serie von aufeinanderfolgenden macerirten Früchten die Syphilisganz ausser Frage steht, kann man an den Kindern häufig nichtsCharakteristisches bemerken. Sie verhalten sich wie alle anderen durchintrauterine Krankheiten abgestorbenen Früchte. Nur Grösse undGewicht von Leber und Milz gehen weit über das Normalehinaus und ist deren Verhältniss zum Gesammtgewicht des Fötusganz verschoben. Auch die Placenta ist auffallend gross undschwer im Verhältniss zur kläglichen Entwicklung des Fötus, mitseiner greisenhaft gefalteten Haut.

Am klarsten ist die ererbte Syphilis an den Kindern zu erkennen,wenn sie noch lebend, aber mit Pemphigusblasen bedeckt zur Weltkommen (pustulöses Syphilid der Haut bei Neugeborenen). Die Blasenkommen mit Vorliebe an der Hohlhand und Fusssohle vor. Sehr oftwird dabei die Hautdecke abgestossen, hängt in Fetzen von der Hautherunter, und das Corium liegt frei. Das kann so weit kommen, dassdie Epidermis der Extremitäten zum grössten Theile abgestossen istund lebende Kinder mit macerirten Hautdecken zur Welt kommen.Die Kinder sterben meist innerhalb der ersten Woche. Pemphigus istaber nicht unter allen Verhältnissen ein Symptom für Syphilis. Erkann durch andere Reizungen der Haut ebenfalls entstehen und ist einekleine Epidemie beschrieben, bei welcher die Pemphiguseruption in derPraxis einer Hebamme durch zu warme Bäder veranlasst wurde. Ausser-dem kommen Flecken und papulöse Syphilide bei Neugeborenen vor.Wo überhaupt die Haut syphilitische Erkrankungen zeigt, ist die Dia-gnose nicht schwierig. Anders wenn diese Symptome fehlen.

Von den inneren Organen erwähnen wir in Kürze die prägnantesten