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Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
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284
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284 Die intrauterine Infection bei Syphilis.

Die hereditäre Syphilis.

Geschichte. Dass die Syphilis von den Eltern auf Kinder übertragen werdenkönne, war schon dem Paracelsus bekannt. Welche lebendige Auffassung der-selbe vom syphilitischen Virus hatte, geht aus folgender Stelle hervor:Wenn diefranzösische Materie sich eingemischt hat in die Conception, so erbt dasselbigeKind die Krankheit und wird damit geboren. Doch ist es auch möglich, dassdies nicht geschieht, wenn die Matrix so hitzegeistig ist, dass sie dem Spermaseine Gewalt nimmt oder auch wegen der Nobilität und Tugend des Samens; dannbleibt die Bosheit in den Eltern und das Kind wird erlöst und gesund geboren."Darüber tauchten im Lauf der Jahrhunderte vielerlei Meinungen auf, wiederholtund so besonders gewichtig wurde die Möglichkeit der Uehertragung der Syphilisauf Kinder von Hunt er bestritten, der den Ausbruch der Krankheit immer undausschliesslich auf das Secret der Initialsclerose des harten Schankers bezog.Diese Lehre war irrig, und es ist sicher erwiesen, dass die Syphilis sowohl vomVater als von der Mutter durch früher erworbene und latent gewordene Krankheitübertragen werden kann. Die Syphilis kann aber auch erst nach der Geburt, jaselbst viele Jahre später ausbrechen.

Nach dem oben Gesagten vom Uebergang der Mikroben auf denFötus wollen wir die Frage zuerst herausgreifen, ob ein Kind inutero, wenn die Mutter erst einige Wochen post conceptionemangesteckt wurde, syphilitisch werden könne?

Der Erste, der hierauf nein sagte, also die Möglichkeit einerUebertragung durch die Placenta leugnete, war v. Bärensprung. Erstellte in seiner berühmten Arbeit 13 Fälle zusammen, bei denen erdurch Infection post conceptionem keine Erkrankung des Kindes ein-treten sah. Von vornherein muss es aber auffallen, dass fünf derKinder, trotzdem sie längere Zeit von ihren kranken Müttern gestilltwurden, von Ansteckung frei blieben. Dann war auch die Beobachtungs-dauer für sämmtliche Kinder zu kurz. Der Bärensprung'schen Lehretrat noch Kassowitz bei, meines Wissens mit nur zwei Fällen.

Die Mehrzahl der Autoren, von Ferrier an bis heute, nimmtdie Möglichkeit einer Uebertragung an. Die Krankheit geht um so eherüber, wenn die Ansteckung in den früheren Monaten der Schwanger-schaft erfolgte, so dass noch genügende Zeit zur Durchseuchung ge-geben ist. Jedoch können die Kinder auch frei bleiben, besondersdann, wenn die Infection in den letzten 3 Monaten stattfand (Aber-nethy und Ricord fanden dies fast immer bestätigt). Die Placentaist kein Hinderniss für das Contagium, weder in der Richtungvon der Mutter zum Kind, noch umgekehrt. Bärensprunghatte, stets auf eine grosse Zahl von Beobachtungen fussend, die Lehr-sätze der Syphilisübertragung auf die Nachkommenschaft folgender-massen zusammengefasst:

Ist nur der Vater zur Zeit der Zeugung mit Syphilis inficirt, dieMutter dagegen vollkommen gesund, so wird

a) wenn die Syphilis des Vaters zur Zeit der Conception nochprimäre oder secundäre Symptome zeigt, Frau und Kind angesteckt,oder wenn