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Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
Entstehung
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282
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282 Typhus, Variola, Pneumonie.

gelenk geöffnet, um den Inhalt bacteriologisch zu untersuchen. Aus diesen Probenund den bei der Section im Gehirn vorgefundenen Eiterherden wuchsen Strepto-coccen aus, welche in allen Beziehungen den Fehleisen'schen Erysipelcoccen soähnlich waren wie ein Ei dem anderen. Sowohl die Plattenkulturen als auch dieImpfversuche am Kaninchenohr ergaben wie bei den Untersuchungen in unsererKlinik und im pathologischen Institute von Birch-Hirschfeld alle bis jetzt be-kannten Merkmale der Erysipelcoccen.

Doch gibt es keine untrüglichen Merkmale zur Unterscheidungzwischen dem Erysipelcoccus Fehl eisen und dem Streptococcus pyo-genes, ausgenommen die Ueberimpfung auf die Haut des Menschen zurErzielung eines Hauterysipels. Trotzdem in diesem Falle die Wahr-scheinlichkeit dafür spricht, dass Erysipel schwere innere Entzündungenmachen könne, weil die Frau früher an Erysipel litt, dann Abscessean dem rechten Arm bekam, ferner weil alle angestellten Proben demErysipelcoccus entsprachen, und weil bei der Section noch die Lymph-drüsen der Axilla und des Halses gerade derselben rechten Seite alsdie Giftherde erkannt wurden, können wir uns des Einwandes nie er-wehren, dass die Krankheit nur eine chronische Pyämie gewesen sei,veranlasst durch eine Infection mit Streptococcus pyogenes am Arm.Der Streptococcus pyogenes kann eben genau die gleichen Erschei-nungen veranlassen. Ehe für die Mikroorganismen brauchbare Unter-scheidungsmerkmale gefunden werden, kommt diese Frage nichtvom Fleck.

Noch in anderen Beziehungen bietet dieser Fall überraschendeErscheinungen. Erstens das Bestehen eines Erysipels, zweimaligeUnterbrechung der Schwangerschaft durch Blutungen in dieDecidua, nach der Ausräumung des Uterus eine Allgemeinansteckung vonkrank gebliebenen Lymphdrüsen aus (Re-infectio ex deposito), und nunein Wiederauftreten von specifischen Mikroorganismen in den Lochien,in den Gelenken, im Gehirn ohne irgend welche Betheiligung derGenerationsorgane. Nur der Zusammenhang mit der früheren Er-krankung und die Versicherung einer absolut durchgeführten Antisepsiskann uns die Einrede abwehren, dass die ganze Erkrankung eine puer-perale Infection, also Puerperalfieber mit raschem Uebergang der Spalt-pilze ins Blut gewesen sei.

Zu den chronischen Infectionskrankheiten gehören Syphilis undTuberkulose.

Inhaltsübersicht.

1) Bei den acuten Infectionskrankheiten gewinnt das Fieber einebesondere Bedeutung für Kind und Mutter.

2) Steigt die Körpertemperatur der Mutter über geioisse Grade hin-aus, so sterben die Kinder ab.

3) Das Fieberblut vermag auch ausnahmsweise den Anstoss zuUteruscontractionen, also zur Einleitung der Frühgeburt, zu geben.

4) Bemerkenswerth ist die besondere Neigung zu Hämorrhagien beiverschiedenen fieberhaften Infectionskrankheiten.