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Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
Entstehung
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276
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276 Neurosen und Hautkrankheiten.

ratur). Stephann: C. f. G. 1885. p. 42. Hebra: Wien. med. Wochenschr. 1872.Nr. 48. Duncan-Bulkley: Amer. J. of Obstetr. Bd. VI. p. 580. Freymann:Petersb. med. Wochenschr. 1876. Nr. 36. Cottle: Herpes gestationis. St. Georges'Hospital Reports London, J. u. A. Churchill. 1879. Vol. X. Oswald, J. W.:Lancet Juni. Bd. X. p. 951. Pollock, A. J.: Lancet 1886. 10. April.

Die Eklampsie, die unter den nervösen Zufällen während derGravidität die meiste Beachtung verdient, soll später besonders ab-gehandelt werden.

Unter den übrigen Erkrankungen des Nervensystems spielt dieChorea die wichtigste Rolle. Diese Krankheit ist jedoch selten.Fehling stellte aus der Gesammtliteratur 68 Fälle zusammen, wobeinur 53 nähere Angaben enthielten. Nur 15 der letzteren, also nurca. x /3 hatte schon in der Jugend Choreaanfälle gehabt.

Wenn nun danach die Gravidität die Disposition zu dieser Reflex-Motilitätsneurose zu erhöhen scheint, so kann doch bei der Seltenheitderselben kein zu grosser Einfluss zugesprochen werden, und scheintindividuelle nervöse Disposition die Hauptsache zu sein.

Beschrieben wurde die Chorea gravidarum zuerst von Riedlin (1696), dannvon Unger und J. Frank. Bie Krankheit tritt nicht vor dem 3.4. Monat auf,entwickelt sich allmählich und befällt häufiger Erstgebärende als Mehrgebärende.

Das Bild der Chorea ist ein ziemlich unbestimmtes. Es istsicher, dass eine sehr grosse Zahl von solchen Kranken gar nicht er-kannt wird.

Die Kranken werden auffallend durch ihr Mienenspiel,ihr Gri-massenschneiden", sie verzerren ihre Gesichtsmuskeln, zucken undzappeln mit ihren Extremitäten, besonders den Händen und Fingern.Es kann auch ärger werden und die Zuckungen ähnlich wie beiEklampsie fast alle Skelettmuskeln befallen. Auch die Sprache ist ab-gesetzt, oft unterbrochen. Die Augen rollen, es kommt einem oft vor,als ob die Kranken schielten. Dies alles geschieht meist bei vollemBewusstsein. Die Krankheit zieht sich über Monate hin. Ich habezwei solche Kranke gesehen, welche die Schwangerschaft ziemlichungestört durchmachten und immer die Zuckungen etc. als Kinderschon gehabt hatten.

Die Diagnose hat wesentlich hysterische Krämpfe und Eklampsieauszuschliessen. Das letztere ist leicht und sicher möglich. Gegenüberder Hysterie ist das Krankheitsbild ebenfalls verschieden.

Die Prognose ist selbst nach den Zahlen von Fehling nichtso schlecht, als dies scheint. Zwar sind von den erwähnten Fällen19 gestorben, aber nach Fehling's Angaben in der grossen Mehrzahl(17) an complicirenden Krankheiten. Relativ häufig ist der Uebergangin andere Gehirnkrankheiten.

Die Behandlung ist zu richten auf stärkende, aber reizloseDiät, Eisen, Chinin, und für die Anfälle Opium in grossen Dosen,Bromkalium, Chlöral, Morphium, Chloroform. Die Frühgeburt kannnothwendig werden, wenn die Krankheit eine ernste Wendung annimmt.