Herzkrankheiten. 273
um die Varicen Binden zu tragen. Ebenso nothwendig ist eine An-weisung der Umgebung für den Fall eines Platzens.
Inhaltsübersicht.
1) Der Schwangerschaft ist eine Vertvässerung und Vermehrung derBlutmenge eigenthümlich. Die progressive perniciöse Anämie besteht ineiner zunehmenden Verarmung des Blutes an rothen Blutkörperchen, derenUntergangsformen unter dem Mikroskop zu finden sind.
2) Die physiologische Blutverwässerung führt in seltenen Fällen zurasch auftretenden und wieder verschwindenden Oedemen.
Wir reihen an die Störungen der Circulation gleich die Be-sprechung der
Herzkrankheiten.
Literatur.
Herzkrankheiten.Spiegelberg: A. f. G. Bd. IL p. 236. — Lebert: A. f. G. Bd. III. p. 38. —Olshausen: A. f. G. Bd. Vit. p. 193. — Fritsch: A. f. G. Bd. VIII. p. 373 u.Bd. X. p. 270. — Schmidt's Jahrb. Bd. 173. p. 193. — Lahs: A. f. G. Bd. IX.p. 307. — Löhlein: Z. f. Geb. u. Frauenkhtn. Bd. I. p. 482. — Macdonald in■Obstetr. J. of. Gr. Brit. Mai-Nov. 1877 u. Separat, Curchill. London 1878. —Meyburg: A. f. G. Bd. XII. p. 114. — Baumel, L.: Troubles gravido-cardiaques.Montpel. med. Journ. Juni 1880. — Wessner, G.: Chronische Herzkrankheitenu. Puerperium. Diss. inaug. Bern 1884. — Müller, Wilh.: Die Massenverhält-nisse des menschlichen Herzens. Patholog. Institut Jena 1883.
Es ist hier zum Verständniss aller Fragen eine kurze historischeUebersicht unerlässlich.
Historische Notizen. Zuerst wurde auf die Bedeutung der Herzkrank-heiten von einem französischen Autor Larcher (Gaz. d. böpitaux lSö^. Nr. 44.Arch. gen. d. med. 1859. Vol. I. p. 291) aufmerksam gemacht. Derselbe machtein den Jahren 1825—1827 130 Sectionen von jugendlichen Wöchnerinnen, die anPuerperalfieber gestorben waren. Nach seiner Schätzung war hei diesen das Herz,besonders der linke Ventrikel in seiner Wandung durchschnittlich um 1 /4- — V 3 dickerals normal. Hiemit war die Lehre von der Herzhypertrophie Schwangererin die Welt gesetzt, und diese Ansicht fand willig Glauben, um so eher, als sieplausibel und ihr auch klinische Untersuchungsbefunde zu entsprechen schienen.Die letzteren trug Duroziez nach in einer Arbeit mit dem Titel: De 1'influencedes maladies du coeur sur la menstruation, la grossesse et son produit, 1868. Schonder Titel versprach viel, der Inhalt hielt noch mehr. Der Herzhypertrophie wurdeneine ganze Reihe Störungen subsumirt.
Wir wollen nun der Autoren nicht gedenken, die diese Lehre ohne Kritik-weitertrugen, sondern die gründlichen Gegenuntersuchungen erwähnen, welchezunächst diese Herzhypertrophie Schwangerer in Frage zogen und auf das richtigeMaass reducirten.
Unter diesen Autoren steht oben an Hermann Löhlein (Zeitschr. f. Geb.Ti. Frauenkhtn. Martin-Fasbender Bd. I. p. 482. 1875). Unmöglich ist es, gleich-massig alle Herzen von verstorbenen Wöchnerinnen zur Erledigung dieser Frageheranzuziehen, unmöglich ist es, ein richtiges Resultat zu bekommen, wenn z. B.auch alle Eklampsiefälle mit gerechnet werden, bei denen regelmässig eine starkeHerzhypertrophie vorkommt, wenn sie auf nephritischer Grundlage entstanden sind.Zweifel, Geburtshülfe. 2. Aufl. 18