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Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
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270 Das übermässige Erbrechen Schwangerer.

(die verschiedenen käuflichen Peptone) werden die Körperkräfte erhaltenund das Erbrechen allmählich geringer.

Wenn auch das diätetische Verfahren obenan steht, wird manstets Arzneiverordnungen anwenden, ehe man zu operativen Eingriffenübergeht. Empfohlen wurden von solchen Cerium oxydulatumoxalicum zu 0,2 0,3 g mehrmals täglich von Simpson, Peters undConrad (Cerium ist ein Metall und das erwähnte Salz, in Wasser un-löslich , hat ähnliche Wirkung wie Bismuth, Silber, Aluminium); dasBromkalium mehrmals täglich 1 g (Friedreich) innerlich oder perRectum, das Tannin zu 0,2 (Duboue in Ann. d. Tocolog. Sept. 1877)Tinct. nucis vomicae von Roth (C. f. G. 1877. Nr. 18) 4mal täglich1520 Tropfen. Das letztere ist empirisch gefunden und klingteigentlich ganz homöopathisch. Chloralhydrat von Herzberg (Berl.klin. Wochenschr. 1879. Nr. 49) Chi. 1,5:100, 2stündlich 1 Ess-löffel voll, Cocain 0,2 : 50, 4stündlich 5 gtt. oder 3mal 0,03 g.Grenser und Schütze (C. f. G. 1887. p. 27).

Unter den operativen Eingriffen empfahl Copeman eine Dilatation desäusseren Muttermundes und des unteren Theils des Cervicalkanales. Der innereMuttermund braucht nicht gedehnt zu werden, da dies Abortus bewirken könnte.Die günstigen Erfahrungen wurden von Rosenthal, Berl. klin. Wochenschr. 30. Juni1879, bestätigt.;

In den Fällen, wo keine Besserung erfolgt, ist es fraglich, obder künstliche Abortus das Uebel beseitige. Es ist dies keineswegs sosicher, wie es nach den gewöhnlichen Prämissen zu sein scheint. NachCohnstein hört nur in 40% der Fälle das Erbrechen nach Aus-stossung der Frucht sofort und vollständig auf. Die restirenden 60°/ 0umfassen Fälle, bei denen das Erbrechen nur unvollkommen nachliess(26°/o), wo es überhaupt nicht aufhörte (18°/o), nach denen es sogarstärker wurde (4°/o), und in denen gleichzeitig oder kurz nach demAbgang der Tod erfolgte (12°/o). Und von diesen 40% Aborten waren25°/o spontan erfolgt, nur 15 artificiell gemacht worden.

Diese Zahlen sagen, dass es Fälle gibt, wo der künstliche Abortbei unstillbarem Erbrechen nützen kann, dass er aber in anderenFällen von ungewissem Erfolg ist.

Es bildet dies eine sehr ernste Mahnung bei Schwangeren, dievon unstillbarem Erbrechen gequält werden, in diätetischer HinsichtAlles aufzubieten, den künstlichen Abortus jedoch, wenn irgend mög-lich, zu vermeiden. Die Operation hat ihre Schattenseiten. Sind Ent-zündungserscheinungen am Uterus vorhanden, so ist der Eingriff erstrecht contraindicirt.

Cohnstein erwähnt a. a. O. einen Fall, wo eine junge Frau wegen desheftigen Brechens in ein Seebad geschickt und dort von einer sehr gefährlichenVerschlimmerung befallen wurde. Durch Clysmata von erwärmter reiner Milch,von Bouillon mit Eigelb mittels eines Eguisier'schen Irrigateurs, wobei der Magenabsolut von Ingestis verschont blieb, liess das Brechen langsam nach. Die Frauerholte sich und kam rechtzeitig mit einem lebenden Kinde nieder.

Einen ganz ähnlichen Fall habe ich selbst erlebt.