266 Di e Frühgeburt mit lebensunfähiger Frucht.
der normalen Geburt an, je später die Unterbrechung erfolgt; zweitenswiegt in den ersten 4 Monaten die Neigung zum Bluten vor, währendder Wehenschmerz sich nicht ebenso stark geltend macht. Davon gibtes freilich Ausnahmen, besonders bei Lageveränderungen, z. B. Retro-flexio uteri.
Wenn die Chorionzotten an der Eiperipherie zurückgebildet sindund die Athmung und Ernährung des Fötus ausschliesslich noch vonder Placenta aus geschieht, so kann nur noch durch Lösung an derHaftstelle der Placenta Blutung entstehen. In späterer Zeit kann manzwischen Eiperipherie und Uteruswand ohne Scheu Fremdkörper ein-führen, die Trennung macht keine Blutung mehr, wenn der Fremd-körper die Placenta nicht trifft: Das ist vor der vollständigen Aus-bildung der Placenta anders. Auch die Verschiebung des Eies ander Uteruswand und die Lösbarkeit ist wesentlich anders und vielbesser nach Ausbildung der Placenta.
Der gewöhnliche Verlauf ist der, dass Wehen auftreten, sich eineBlase stellt, platzt, der Fötus aus dem Riss austritt und zuerst abgeht.Weil auch bei der Frühgeburt das Ei noch nicht welk und dessenTrennung nicht leicht ist, besteht grosse Neigung zum Zurück-bleiben von Eiresten und nachfolgenden anhaltenden Blu-tungen.
Recht gut kann nun das Kind hierbei lebend kommen, aber weiterleben kann es nur nach Tmonatlicher Schwangerschaft.
Wenn der Fötus intrauterin abstirbt und mindestens nocheinige Tage todt im Fruchthalter getragen wird, so kommt er in einemganz eigenthümlichen Zustand zum Vorschein: als Foetus maceratus.Früher nannte man so veränderte Kinder „todtf'aul" (siehe hinten dasKapitel: Tod der Frucht während der Schwangerschaft).
Was die Aetiologie betrifft, so spielt bei der Schwangerschafts-unterbrechung nach der 16. Woche die Syphilis die Hauptrolle. Imallgemeinen machen alle äusseren Verhältnisse nicht mehr so viel aus,die Ursachen liegen häufiger in dem Absterben des Kindes, also inKrankheiten des Eies. Deswegen kommt auch die Unterbrechung nachder 16. Woche seltener vor.
Ueber den Verlauf haben wir uns oben schon ausgesprochen.Bemerkenswerth ist nur die relative Häufigkeit falscher Lagen. Kopf-lagen wiegen keineswegs in gleicher Weise vor wie bei der recht-zeitigen Entbindung.
Die Behandlung hat erst einzutreten, wenn Blutungen u. dergl.wegen zurückgebliebener Eireste dies nothwendig machen. Die Be-handlung solcher Blutungen ist oben bei Gelegenheit des sogenannten un-vollkommenen Abortus schon ausführlich berücksichtigt worden (p. 262).
Die habituelle Frühgeburt
ist ein fast sicheres Zeichen für Syphilis, denn kaum eine andereKrankheit oder Ursache ist so constant über Jahre hinaus, dass sie