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Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
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261
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Prognose und Therapie des Abortus. 261

Kommt trotz dieses Regimes wieder ein Blutabgang vor, so istdie weitere Behandlung im Sinne der Erhaltung des Eies aussichtslos.

Bei schlanker Vaginalportion und kleinem, birnförmigem Corpusuteri muss man sich natürlich auch die Frage vorlegen, ob der Ab-gang nicht schon vorüber'ist. In jedem Fall, wo eine heftigeBlutung mit Abgang von Gerinnseln oder Wehenschmerzenvoranging, ist dies letztere eigentlich anzunehmen.

Wo keine Aussicht besteht, den Abgang des Eies aufzu-halten, da muss derselbe möglichst befördert werden. Dazubeginne man bei erhaltener Vaginalportion mit einer regel-rechten Tamponade aus aseptischen Tampons (Jodoformgaze).Dieselbe stillt eine Blutung, die gerade besteht, sichert gegen die Er-neuerung einer solchen und regt den Uterus zu Contractionen an. Wirempfehlen hierbei ausschliesslich die Wattetampons. Es muss reineentfettete Watte, Salicylwatte oder dergleichen, und recht feste Seideoder Bindfaden dazu genommen werden. Zwei bis drei Tampons werdeneingeführt und mehrere Minuten lang unter Gegendruck von aussen anden Muttermund gepresst. Dann eine neue Partie nachgeschoben und sofortgefahren, bis die Scheide vollständig ausgefüllt ist und die Blutungsteht (Tamponade der Scheide).

Natürlich kann man die Watte auch ohne Fäden nur mit demFinger oder mit Kornzangen einführen und andrücken. Aber die Ent-fernung wird dadurch umständlicher und erfordert die Anwesenheiteines Arztes, der unter Leitung eines Fingers wieder mit der Korn-zange die einzelnen Wattestücke hervorholen muss. Zweckmässig istes, die Watte vorher in desinficirende Lösungen J ) zu tauchen, aberdieselbe nass einzulegen, tamponirt nicht so sicher als trockene Watte.Wir haben deswegen die trockene Hitze und den überhitztenWasserdampf zum Sterilisiren von Wattetampons benützt,die in kleinen Blechbüchsen (Conservenbüchsen) eingeschlossen derhohen Temperatur ausgesetzt und darin bis zum Augenblick des Ver-brauches aufbewahrt werden. Solche Wattebäusche sind nicht mehrdie Verbreiter der Fäulniss wie früher.

Zur Beförderung der Lösung des Eies gebe man innerlich nochSeeale cornutum.

Die Tampons müssen nach 6, spätestens nach 12 Stunden ent-fernt und danach Scheideninjectionen mit starkem Strahl und desinfi-cirenden Lösungen gemacht werden. Ein Arzt, der weit entfernt vonder Kranken wohnt, soll vor der vollkommenen Ausstossung des Eiesdie Kranke nie ohne Tamponade lassen, weil man nie sicher ist, obnicht ein bedrohlicher Blutverlust dazwischen kommt.

Es ist die Behandlung des Abortus sehr einfach und bequem,wenn auf die Tamponade hin, die bei richtiger Anwendung die Blu-

') Kehr er, Beiträge zur klin. und experimentellen Geb. und Gyn. Bd. II.Heft. 3. 1887 empfiehlt nach Versuchen von Koch 25°/ 0 ige Carbolsäure und essig-saure Thonerde.