262 Die Behandlung der Fehlgeburt.
tung sicher stillt, das Ei sich löst und einmal beim Entfernen derTampons mit diesen abgeht oder doch im Cervicalkanale liegt. Dassind die glatten Fälle. Jeder praktische Arzt weiss, dass es genugandere gibt.
Natürlich wird man das Ei immer entfernen, wenn es bis in denCervicalkanal befördert wurde, also der Cervicalkanal ganz erweitertist. Zuerst versucht man die Expression durch combinirten Druckauf den Uterus oder man führt, wenn nöthig, die Hand in die Vagina,2 Finger neben dem Ei in die Höhe bis zur Spitze desselben und ver-sucht dasselbe um seine Längsaxe zu drehen. Gelingt dies, soist es sicher überall gelöst und wird durch einen Druck von Seitender Fingerspitzen durch den äusseren Muttermund hinausbefördert.Haftet es noch etwas, so lösen sich diese Stellen.
Was hat zu geschehen, wenn das Ei nicht auf die ersteTamponade erscheint? Zunächst noch einmal zu tamponiren.Man kann begreiflicher Weise diesen Satz nicht als ein Gesetz, sondernnur als Regel aufstellen. Es gibt Fälle, wo man nicht anders handelnkann, als Fötus und Eitheile auszuräumen. Ein längeres Verweilen desEies in der Gebärmutter, anhaltende Wehenlosigkeit und auftretendesFieber zwingen zu energischerem Handeln. Bekanntlich dauert es oftnicht lange bis zum Eintritt eines Fötors. Auf die Verfahren zurHerausbeförderung zurückgebliebener Eitheile wollen wir um ihrerWichtigkeit willen näher eingehen.
Wenn einzelne Stücke des Eies, was sehr leicht vorkommt,zurückbleiben, so kann sich der weitere Verlauf ganz verschiedengestalten.
Am häufigsten bleibt dann längere Zeit ein geringes Blutsickernbestehen, bis entweder die Reste von selbst sich allmählich losgestossenund mit dem abgehenden Blut entfernt oder ein künstliches Eingreifendie Entleerung der Gebärmutterhöhle bewirkt haben. Das absickerndeBlut und die darin mitgerissenen Eireste sind ganz mit den Lochienbei der normalen Geburt zu vergleichen. Anhaltendes Blutsickern istschon ein genügender Grund zur künstlichen Entfernung.
Die Symptome, welche zurückgebliebene Eitheile zumachen pflegen, sind ausser dem Blutsickern auch eine Schlaff-heit und Erweiterung des Cervicalkanales. Wo nach einem Ab-gang oder nach der normalen Geburt die angegebenen Zeichen bestehen,wird man nicht fehl gehen, auf zurückgebliebene Eitheile zu schliessenund die entsprechende Entfernung derselben einzuleiten.
Der Blutabgang kann nachlassen, der Abortus als abgelaufenerscheinen und doch im Verborgenen ein Rückfall der Blutung vor-bereitet werden. Diese scheinbar abgelaufenen Fälle verdienen denNamen unvollkommener Abortus. Auf das Geschlossensein desMuttermundes dürfte zur Definition nicht so viel Gewicht zu legen sein,als auf das vollständige Sistiren der Blutung; denn, wo selbst nurkleine Reste in utero zurück sind, bleibt der Cervicalkanal ausser-ordentlich lange offen — für einen Finger und für Instrumente ohne