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Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
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260 Prognose und Therapie des Abortus.

der Blutfarbstoff so ausgiebig ausgelaugt war, dass eigentlich nur nochFibringerinnsel übrig blieben.

Die Abortiveier sind von der Decidua reflexa s. insertionis um-hüllt und zerren beim Verlassen der Corpushöhle bei gutem Verlaufdie Vera ebenfalls mit, die dann in losen Fetzen an der Oberfläche desEies haftet. Dass ausnahmsweise die äusseren Eihüllen bersten könnenund der Amnionsack aus Chorion und Decidua hervortreten und alleinabgehen könne, hat in jüngster Zeit Krukenberg nachgewiesen.

Die Blutergüsse sind meist an der Decidua insertionis am be-trächtlichsten, dringen aber zwischen der Decidua oft in die Tiefe bisin den Raum zwischen Decidua und Chorion. Ein Durchbrechen vonChorion oder gar Amnion, so dass die ganze Eihöhle mit Blut aus-gefüllt ist, gehört zu den Ausnahmen.

Der Fötus ist oft über Erwarten klein. Wo man schon 3 Monaterechnet, ist die Frucht häufig winzig und nur mit Hülfe der Lupe zuerkennen. Er kann auch ganz fehlen, indem er durch Maceration imFruchtwasser vollständig aufgelöst wurde. Um des Fehlens einer Fruchtwillen haben früher solche Eier den Namen trübe Eier oder Molen erhalten.

Die Prognose des Abortus ist für die Mütter im allgemeinenüberraschend günstig. Die septischen Allgemeinerkrankungen sind vielseltener, sicher die Disposition hierzu in der ersten Zeit der Schwanger-schaft viel geringer als später. Selbst wo schon Fäulniss der Eitheileund Fieber aufgetreten war, wo unter gleichen Verhältnissen am Endeder Gravidität die gefährlichste Situation geschaffen wäre, geht nachdem Ausräumen der TJterushöhle und Desinfection derselben das Fieberund die Gefahr in kurzer Zeit vorbei. Ausnahmen hiervon sind selten.

Für die Therapie gibt es zwei Ziele: den Abortus aufzu-halten, oder denselben symptomatisch zu behandeln und mög-lichst zu befördern, hauptsächlich also die Blutung zu bekämpfen.Wir haben schon oben angegeben, dass die Dauer der Blutung abhängtvon der Schnelligkeit der Lockerung des Eies. Um die Hämorrhagieabzukürzen, muss man also die Lostrennung des Eies befördern.

Beim Aufhalten des Abganges will man dagegen die weitergehendeLockerung vermeiden und das Ei sich wieder fixiren lassen.

Wie die Ziele, so sind auch die Mittel direct entgegengesetzt,und deswegen ist es wichtig, prima vista sich zu orientiren, ob derAbortus aufzuhalten sei oder nicht.

Den Abortus aufzuhalten kann man nur hoffen, wennwenig Blut abging, der Muttermund nicht eröffnet, die Va-ginalportion nicht verkürzt oder sonstwie verändert ist, wennalso nur wenig Uteruscontractionen dagewesen sind.

Die Therapie ist hiebei absolute Ruhe des Körpers. DieSchwangere muss unbedingt zu Bett liegen. Die Ruhe und Herab-setzung der Reizbarkeit wird noch befördert durch Narcotica. Mandarf nicht tamponiren, weil dies Wehen anregt, keine Einspritzungenper vaginam machen, die einen mechanischen oder thermischen Reizabgeben könnten.