Symptome und Verlauf des Abortus. 259
des aus alten Blutgerinnseln stammenden Blutserum eingeleitet. Dannwird der Abgang gewiss nie aufgehalten.
In ziemlich seltenen Fällen beschränkt sich der Blutabgang aufeine geringe Färbung der Wäsche und die Schwangerschaft nimmtihren regelmässigen Fortgang. Wenn auch dies seltener ist, als diefortschreitende Lockerung des Eies, so muss doch die Therapie aufdiese Möglichkeit Rücksicht nehmen.
Zu den Fällen mit geringer Blutung bemerkte Spiegelb er g in seinemLehrbuch, dass er einige Fälle kenne, in denen sogar ein Stückchen Decidua ab-ging und doch die Schwangerschaft ungestört blieb.
Der Vorgang der Lösung und Ausstossung des Eies gehtim allgemeinen in derselben Weise vor sich wie die Geburt am nor-malen Ende. Die Uteruscontractionen lockern die Chorionzotten unddie Decidua reflexa von oben her und treiben das gelöste Ei unterBildung eines Geburtskanales, d. h. unter Verdünnung und Streckungdes Cervicalkanales aus.
Zuletzt erscheint die Decidua vera und gerade diese hat eine be-sonders grosse Neigung zurückzubleiben (Dührssen).
Dabei macht sich der Unterschied zwischen innerem und äusseremMuttermund mehr geltend. Der unnachgiebige derbe Ring des äusserenMuttermundes der Erstgebärenden leistet dem Vorrücken desEies oft Widerstand. Er lässt das Ei nicht heraus. Dadurch blähtund dehnt sich der Cervicalkanal zu einer blasenförmigen Erweiterungaus, in welcher das ganze Ei steckt und, wenn nicht durch Kunst ent-fernt, lange liegen bleiben kann.
Anders bei Mehrgebärenden. Der äussere Muttermund hatan Resistenz verloren, er macht die erwähnten Schwierigkeiten nichtmehr, und wenn erst das Ei den inneren Muttermund passirt hat, sorückt es durch die Cervix gleich bis in die Scheide.
Eine ganz unglückliche Benennung ist für das erst geschilderteVerweilen in der Cervix uteri mit dem Namen Cervical - Schwanger-schaft eingeführt worden.
Die äussere Erscheinung und die Veränderungen desAbortiveies hängen hauptsächlich von der Blutbeimengung und dentypischen Veränderungen alter Blutklumpen ab.
Das Gewöhnliche ist, dass die abortiv abgehenden Eier in grosseBlutklumpen eingebettet und von Niederschlagsschichten verschiedenenAlters umhüllt und durchfilzt sind. Der letztere Ausdruck ist ganzgerechtfertigt, weil in Wirklichkeit die einzelnen Fibrinzüge ganzregellos zwischen die Eihäute eindringen.
Wenn die Blutergüsse zwischen die Eihäute zu verschiedenenZeiten auftreten und knotige Hervorragungen bedingen, führen siezur Bildung der sogenannten Molen, die Blutmolen hiessen, solange die Gerinnsel noch deutlich die Farbe und Beschaffenheit vonBlutstücken besassen und den Namen Fleischmolen erhielten, wo