256 Aetiologie des Abortus.
hüten muss, die erste beste traumatische Veranlassung, die von denLaien angegeben wird, als wirklichen Anlass anzusehen.
Den traumatischen Effect kann man eigentlich, besonders in ge-richtlichen Fällen nur dann annehmen, wenn sofort auf das Traumaein Blutabgang aus den Genitalien erfolgte, obschon sich nicht leugnenlässt, dass gelegentlich auch eine Lockerung entstehen kann, ohne dassein Blutabgang bemerkbar wird.
Eine ähnliche Unsicherheit besteht über den Einfluss von Opera-tionen. Während gelegentlich grosse Eingriffe, selbst wenn sie denUterus treffen, ohne Reaction vorübergehen, führen wiederum Opera-tionen an anderen Körperstellen zur Unterbrechung. So berichtetBillroth von einer Patientin, die nach einem Stich in den Daumeneine Phlegmone und Gangrän des Vorderarmes bekam, weswegen dieAmputation vorgenommen werden musste. Drei Tage später wurdedie Frau von einem Abortus überfallen.
Wahrscheinlich liegt die Verschiedenheit der Reaction auf Opera-tionen in dem Zeitpunkt der Gravidität und besteht in der zweitenHälfte geringere Neigung zur Unterbrechung.
Mit Sicherheit führt alles zum Abortus 1) was geeignet ist,die Verbindung des Eies mit der Uterinwand zu lockern: jedemechanische Trennung, z. B. eine Uterussonde, die unversehens ein-geführt wird, Eröffnung und Verletzung des Eies oder die vielenManipulationen, welche in verbrecherischer Absicht angewendet werden.
Kleine Blutergüsse zwischen Uterus und Eihäute, die auf irgendeine Veranlassung hin entstehen, gehören mit dahin. Diese Blutergüssehaben häufig ihren Grund in verschiedenen Krankheiten und Leidender Mutter, die active oder passive Hyperämie der Uterusgefässe be-dingen. Wir rechnen dahin alle Krankheiten, welche eine Störung imSystem der Unterleibsvenen setzen: Herzfehler, Infiltrationen der Lungen,Nierenentzündungen, Schrumpfung der Leber und ähnliches. Auchwarme Sitz- und Fussbäder werden wahrscheinlich nur durch Schaffungeines grösseren Blutandranges abortiv wirken. Durch Blutergüsse wirdder Abortus oft bei Typhus und anderen acuten Infectionskrankheiteneingeleitet zu einer Zeit, wo die Fieberhitze nicht die Ursachesein kann.
Als traumatische Veranlassungen gelten Springen, Tanzen, einFall, ein Fehltritt, Fahren auf holperigen Wegen, Stösse und Schlägegegen den Leib, ungestümer Coitus, Anstrengungen der Bauchpressebeim Heben und Tragen, angestrengtes Gehen.
2) Führt zum Abortus alles, was die Eientwickelunghemmt oder Ernährung und Athmung des Fötus stört.
Dahin gehören eine grosse Zahl von Anomalien des Uterus,z. B. Fibroide in seiner Wand, Entzündungen der Schleimhaut, chroni-scher Uterinkatarrh, ungenügende Ernährung und Innervation, tiefeCervixrisse.
Unter den letzteren Gesichtspunkt, gestörte Ernährung und Ath-mung der Frucht, fällt das Auftreten des Abortus bei allgemeinen