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Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
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250 Die übrigen Ersatzmittel der Kuhmilch.

scharfe Stoffe, ätherische Oele, verschiedene Pflanzensäuren, Alkoholund zwar gerade auch Amylalkohol, welche in die Milch der Thiereund schliesslich auch in den Organismus der Kinder übergehen. Allesolche Abfälle, wie die Ueberbleibsel der Mohn- oder Rübölfabrication,der Brauereien, der Brennereien, die Verfütterung mit Rüben, Kohl etc.,müssen ausgeschlossen sein. Nur gutes Heu darf zur Nahrung solcherThiere dienen. Im Sommer darf trocken geschnittenes Grünfutter ausTrockenwiesen mit oder ohne Heu ebenfalls gegeben werden. DieForderung, selbst im Sommer ausschliesslich Heunahrung zu geben,ist zu weit getrieben und nicht einmal im Interesse der Qualität derMilch. Das halte ich für ganz überflüssig, zu betonen, dass die Kühefrei von Perlsucht (Tuberkulose) oder anderen ähnlichen Krankheitenseien. Solche aus Trockenfütterung gewonneneKindermilch" ist jetztin allen Städten Deutschlands zu einem unerheblich höheren Preis zubeziehen.

Mit den Zusätzen von Gersten- oder Haferschleim kommt man eigent-lich der s. Z. von Liebig vorgeschlagenen Kindersuppe ') ganz nahe. Es war einingeniöser Griff von Seiten Liebig's; denn er gab den Kleinen ein Ferment, wasihnen die Natur in den ersten Monaten des Lebens noch versagt, künstlich mitder Nahrung ein. Die Kleinen haben keine oder doch eine ganz ungenügendePtyalinverdauung. Wenn auch nach ca. 8 Wochen alle Drüsenextracte Amylaceenumsetzen können, so kommt die eigentliche Verdauungskraft erst mit der sicht-baren Sp eichelsecretion. Da nun immer und überall die Mehlbreie einensehr beliebten Ersatz bildeten, setzte Liebig der Kindernahrung Malz bei, alsodas diastatische Ferment, welches bei Körpertemperatur und bei dem Säure-grad des Magens noch ganz gut wirksam ist. Das Mittel ist nie recht in Gebrauchgekommen, weil es zu umständlich ist. Aber gut war es und unendlich besser alsdie als Verbesserungen ganz ungerechtfertigterweise gepriesenen Modifikationen. Eshiess eine Zeit lang, zweckmässigerweise hätten Chemiker den Umsetzungsprozessdes Amylum in die Fabriken gelegt und dann im Product der Industrie der Mutteroder Pflegefrau die Mühen nnd Umständlichkeiten der Liebig'schen Suppe ab-genommen. Es wurde dies dem L öff lund'schen Kindernahrungsmittel und demNestle'schen Kindermehl rühmend nachgesagt. Das ist ein cardinaler Irrthumgewesen. Das Löfflund'sche Präparat war schliesslich Malzzucker ohne Ferment,welcher jedenfalls billiger und bequemer durch Trauben- oder Milchzucker ersetztwerden kann. Im Nestle'schen Kindermehl existirt neben unverändertem AmylumDextrin und Traubenzucker, wie er sich im Zwieback auch findet, aber nichts voneinem Ferment, welches den Rest des Amylum noch verdauen konnte. Ganz imgleichen Sinn sind alle derartigen Surrogate zu beurtheilen. Nach den Wägungen vonAltherr, Lorch (in der Erlanger Klinik angestellt) undüemme sind dieseKindermehle ein schlechtes Nahrungsmittel für Neugeborene und Kinder der ersten8 Wochen. Die Zunahme war eine kläglich geringe, sehr viele bekamen Ver-dauungsstörungen, 2 J3 wurden rhachitisch!

In ganz grossen Städten, wo frische Kuhmilch nicht zu haben wäre, könnencondensirte Milch und das Biedert'sche Rahmgemenge in Frage 'kommen.Die erste condensirte Milch hatte den Nachtheil, dass ihr sehr viel Rohrzucker

') Das ursprüngliche Recept lautete:

1 Loth == 15 g Weizenmehl.1 Loth = 15 g Gerstenmalzmehl.10 Loth = 150 g frische Kuhmilch, und0,5 g Kalii carbon, crystall.Bei ganz gelinder Wärme zu halten, bis der Brei dünnflüssig wird.